Reiseberichte


Navigation: Übersicht / AFRIKAS SÜDEN UND DIE INSELN DES INDISCHEN OZEANS

VERSTECKTE LEMUREN UND KÖNIGE

In einem kleinen Dorf nahe Andasibe wird für uns angehalten, wir quartieren uns als einzige Gäste in einer gepflegten Lodge ein und schlendern dann entlang der Straße, vorbei an aus Bast, Stroh und Brettern, auf Pfählen errichteten winzigen Hütten und Läden. Die Leute müssen hier mit einer ständig herrschenden Feuchtigkeit leben, in der Zeit des Monsuns verwandelt der Regen die Erde noch zusätzlich in lehmigen Schlamm. Überall winkt man uns freundlich, vor allem die Kinder lachen uns fröhlich zu, von Ferne ertönen die Rufe der Indris.

Feen-Tau liegt noch netzartig über den Gräsern und die Urwaldwipfel sind mit Nebelhauben eingepackt, als wir anderntags in den 17 km entfernten Mantadia Park fahren. Ein schmaler Pfad führt in den Primärwald, ein geheimnisvolles Wirrnis an üppiger Pflanzenwelt, schlingend und schlangend, verwoben und spiralartig verdreht mit sich selbst und dem Rest der Wildnis. Meterhohe Fächerpalmen, Farne und Pandanus-Sträucher drängen sich zwischen den kreuz und quer verlaufenden Stämmen der Urwaldriesen, von deren Ästen sich wie hängende Gärten verschiedenartige Gewächse entfalten. Unergründlich und mystisch wie das Reich der Seele breitet sich diese einzigartige Welt aus.

Wir wandeln auf nassem, braunen Blätterboden, über glitschige Wurzeln, schlüpfen durch ein Potpourri an verkreiselten Lianen, saugen die von würzigen Gerüchen erfüllte Luft ein. Es herrscht Stille, die nur hie und da von den heulenden Rufen der Indris unterbrochen wird. Unser Führer ahmt immer wieder ihre Töne nach und fixiert aufmerksam die Baumwipfel. Plötzlich hetzt er durchs Unterholz, wir ihm nach, und tatsächlich hockt da einer gemütlich in einer Astgabel und blickt neugierig zu uns herunter. Wie er das so weit entfernte Tier ausmachen konnte, ist uns schleierhaft!
Weiter geht die Pirsch, kreuz und quer durch den Dschungel, wir lauschen ins geheimnisvolle Dickicht, vernehmen wie einzelne Blätter tanzend zu Boden trudeln, alle unsere Sinne sind wach und offen. Fast ist unsere Tour schon beendet, als wir auf eine Herde von Schwarzweißen Varis stoßen, äußerst selten und nur hier zu finden!

Auch im Nationalpark Perinet werden wir fündig: Wir entdecken eine Herde von Diadem-Sifakas und verfolgen gebannt ihre meterweiten, geschickten Sprünge. Zwischen Palmblättern tummeln sich auf dünnen Ästen, ebenfalls seltene, Graue Bambus Lemuren, putzige, kleine Tierchen, Braune Makis und Indris schaukeln in den Astgabeln.

Während der Reise haben wir mit Begeisterung den Roman Die Insel des Mondes von Beatrix Mannel verschlungen, ein Teil davon spielt sich in Ambohimanga, nahe der Hauptstadt, ab. Diese Heilige Stadt der Merina, der man bis zum heutigen Tag magische Kräfte zuschreibt, wollen wir als Abschluss besuchen. Der 1468 m hohe Blaue Hügel war einst die Residenz des mächtigen Königs Andrianampoinimerina, und bis zur Eroberung durch die Franzosen 1896 durfte kein Fremder sie betreten.
Nach einstündiger Fahrt mit einem Taxi erreichen wir das größte der sieben Stadttore. Neben dem Tor steht eine riesige, glatt geschliffene und nahezu kreisrunde Steinplatte, die in früheren Zeiten allabendlich vor das Eingangstor gerollt wurde. Nun steigt die Straße bergan und bald bietet sich ein fantastischer Ausblick auf die umliegende Landschaft bis Tana.
Wir steigen einige Stufen hoch, gelangen durch einen Garten mit alten Bäumen und riesigen Büschen mit leuchtend rot blühenden Weihnachtssternen zum Zeremonienplatz, durchschreiten weiter das vergitterte Tor hinauf zur erstaunlich kleinen Anlage des Rowa, des Königshauses. Gleich über dem Eingang erhebt sich ein hölzernes Wächtertor, danach befindet sich ein ummauerter Opferplatz.

Bescheiden hebt sich das einfache Haus aus dunklem, hartem Palisanderholz in der Mitte ab. Das Dach wird von einem mächtigen, etwa 10 m hohen Edelholzpfahl getragen, in dem sich in Abständen von etwa 30cm auf beiden Seiten Löcher befinden. Wenn Besuch kam, steckte der König Stäbe in diese und stieg wie auf einer Leiter hinauf, unter sich zog er sie wieder heraus. Knapp unter dem Dach befand sich ein Versteck, in das sich der König dann zurückzog. Eine seiner Frauen begrüßte die Besucher. Doch erst als der König sie als willkommen erkannte, stieg er schließlich herunter.
Ein Kuriosum ist sicher auch der Thron, ein winziger, steinerner, schmuckloser Hocker. Die umgebenden Gebäude aus der Viktorianischen Zeit sind verhältnismäßig prächtig ausgestattet und dienten den folgenden Königinnen als Paläste.



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