Ecuador - in der Mitte der Welt

 

Ausgerechnet Stunden vor unserem Abflug am Freitag, den 13.,August 2010 erreicht uns die Nachricht von einem Erbeben in Ecuador, kurz nach dem Start muss der Flughafen Wien wegen schwerem Unwetter gesperrt werden. Nichst desto trotz rollen wir, mit Zwischenlandung in Amsterdam, fruehmorgens sanft in Quito ein. Unsere Freunde Stefan und Martin werden uns ein kleines Stueck auf dieser Reise begleiten.

“Secret Garden”, ein Geheimtipp unter Travellern, wird zum Ausgangs- und Stuetzpunkt vieler Touren. Schon der Ausblick von der originell angelegten Dachterasse ueber die sich wie in eine Mulde schmiegende, von vulkanischen Gipfeln flankierte Hauptstadt laesst unsere Herzen hoeher schlagen – und das nicht nur angesichts einer Hoehe von 2850m! Eine Handvoll Volunteers sorgt hier taeglich fuer ausgezeichnetes Essen, ausgelassene Stimmung, Partytime abends bei flackerndem Lagerfeuer in einer Scheibtruhe, und natuerlich schwirren dabei jede Menge abenteuerlicher Geschichten herum…

Kreuz und quer durchstreifen wir zunaechst die schachbrettartig angelegte nahe Altstadt, deren enge Gassen manchmal so steil sind, dass uns nicht nur wegen der herabsausenden Autobusse schlichtweg die Luft weg bleibt. Vorbei an praechtigen, mit winzigen Balkonen verzierten Gebaeuden der Kolonialzeit , betreten wir das Tor der Kirche La Compania de Jesus. Sieben Tonnen Gold wurden im Inneren, einst mit dem Schweiss und dem Blut der indianischen Bevoelkerung, verarbeitet. Akklimatisation heisst das Zauberwort fuer die naechsten Tage und so erklimmen wir die in schwindelnder Hoehe aussen angebrachten Stahlleitern auf die gotischen Tuerme der Basilica del Voto Nacional.

Mit mehreren GPS ausgeruestet machen wir uns tags darauf, nachdem wir den touristischen Klamauk um das Aequator- Denkmal von Mitad del Mundo absolvierthaben, auf die Suche nach dem wirklichen Nullpunkt des Aequators und finden ihn, etwa 250m weit entfernt, mitten auf einer belebten Strasse. Witzige pseudowissenschaftliche Experimente mit Wasser und Energie werden uns anschliessend in einem entzueckenden Freilichtmuseum vorgefuehrt. Keinen Zweifel aber lassen wir daran, dass das Koerpergewicht am Aequator niedriger ist!

In haarstraeubender Geschwindigkeit rasen wir, in Begleitung flotter Salsamusik, im voellig ueberfuellten Bus ueber die Pan Americana. Gerade haben wir noch vier Sitzplaetze ergattern koennen, denn dem geduldig ausharrenden, stundenlangen Stehen, wie bei vielen Indiofrauen, oftmals mit kleinen Kindern im Umhaengtuch, ueblich, sind wir nur wenig gewachsen. Erstaunlicherweise tauchen bei jeder verlangsamenden Fahrt unzaehlige Strassenhaendler mit Leckereien auf und quetschen sich mit lauten Rufen durch die Menge, bevor sie wieder im Nichts verschwinden.

Unser Ziel liegt abseits des Trubels in den stillen abgelegenen Andendoerfern. In dem winzigen Dorf Zumbahua sind wir die einzigen Gaeste des kleinen Hotels, in dem uns die in landesueblicher Tracht - Poncho, Filzhut und lange geflochtene Zoepfe – gekleidete Quechuafrau ruehrend verwoehnt. Fruehmorgens ziehen wir, gefolgt von neugierigen Blicken aus kleinen Siedlungen und der auf Wiesen grasenden Lamas, auf Schotterstrassen bis zum Rand des Vulkankraters, atemberaubende Ausblicke auf die Laguna Quilotoa in der Tiefe. Nach steilen Auf- und Abstiegen ueber Schluchten gelangen wir durch Foehrenwaelder und zauberhafte Blumenwiesen zur letzten Station unserer Wanderung. Eng zusammengepfercht auf der Ladeflaeche eines Pickups erreichen wir Saquisili, gerade rechtzeitig zum woechentlichen Marktgewuehl. Hier herrscht reges Treiben und Handeln. Frauen hocken zwischen den vielfaeltigsten Obst- und Gemuesehaufen oder bieten schmackhafte Eintoepfe in diversen Garkuechen an.

Wir sind froh, wieder Sitzplaetze im Inneren des Buses vorzufinden und nicht wie manches Schaf, am Dach festgebunden, mitfahren zu muessen. So nebenbei erfahren wir von einem Busunglueck mit etlichen Toten in der vorigen Nacht – der Fahrer war grade erst mal 16 Jahre alt…

Voellig anders gestaltet sich der Markt im modernen und touristischen Otavalo. Hier findet man fein gewebte Wollsachen und Kunsthandwerk. Stolz praesentieren sich die Frauen in ihren weissen, bestickten Rueschenblusen, dunklen Roecken und vor allem mit etlichen Goldketten um den Hals. Wir haben Glueck, denn abends startet das 14taegige Fest del Yamor mit einer festlichen Parade von Schoenheitskoeniginnen, Musikern und Tanzgruppen.

Am fruehen Morgen beeilen wir uns zum Tiermarkt ausserhalb des Ortes. In wildem Wirrwarr verlaufen die Stricke, an deren Enden quieckende Schweine, stattliche Rinder und geduldige Schafe haengen. Aber auch Meerschweinchen und lebende Huehner, beim Verkauf zu Straeussen gebunden, gelangen zum Verkauf – ein Anblick, der fuer uns Europaeer grausam anmutet, was hier jedoch mit gleichmuetiger Selbstverstaendlichkeit abgehandelt wird.

Eiskalt und nebelig gestaltet sich der steile Aufstieg auf den 4797m hohen Guagua Pichincha, oft koennen wir die naechsten Meter nur erahnen und nach einiger Felskletterei eroeffnet sich uns voellig ueberraschend der Gipfel. Keuchend tasten wir uns nach muehsamer, nicht enden wollender Querung auf abschuessigem Gelaende meterweise auf geroelliger Flanke zum Pass des etwas niedrigeren Rucu Pichincha. Nach insgesamt fast sieben Stunden schleppen wir uns endlich die Stufen zur Bergstation des neu erbauten Teleferico hinauf, aber - oh Schreck - hier lauert eine riesige Warteschlange! Doch da gibt es sogenannte Expresskarten – und im Nu sitzen wir in Quito bei kuehlem Bier!

Vergnueglicher wird die Fahrt zu den in herrlicher Hochlage sich traeumerisch ausbreitenden Lagunas de Mojanda und den durch hohes, goldschimmerndes Grasland, Paramo genannt, fuehrenden Aufstieg auf den 4263m hohen Fuya Fuya.

Nun wird es ernst! Auf einer familiaeren Hazienda nahe dem Oertchen Chaupi tanken wir noch einmal Energie auf, bevor wir, in Begleitung eines Guides, zum Refugium Nuevo Horizonte auf 4740m Hoehe aufbrechen. Wild pfeift der Wind auf dem felsigen Kamm und wir sind froh, als wir im Lager bei dampfendem Tee in die warmen Schlafsaecke schluepfen. Als wir bei Dunkelheit noch einmal vor die Huette treten, funkeln uns wenige Meter entfernt neugierige Fuchsaugen an.

Zeitig am Morgen winden wir uns Schritt um Schritt den abschuessigen, zwischen Felsen schlaengelnden Pfad aufwaerts. Es hat frisch geschneit und bald stellen wir uns die bange Frage, wie wir auf dieser Rutschbahn je wieder abwaerts kommen sollen. Nebelfetzen treiben ihr geisterhaftes Spiel mit uns und der Wind tobt mit jedem Meter aufwaerts kraftvoller. Angespannt erwarten wir die vom Guide als Paso de la Muerte angekuendigte Kletterstelle. Mit klammen Fingern legen wir Klettergurte und Seil an, doch die ueber dem Abgrund zu erkletternde Passage erweist sich als relativ harmlos und nach der Bewaeltigung groesserer Blocksteine stehen wir, allen Naturgewalten zum Trotz, stolz und zufrieden am Gipfel des 5126m hohen Iliniza Norte!

Kaum Platz neben dem schlichten Holzkreuz und so gut wie keine Sicht treiben uns nach wenigen Fotos gleich zum Abstieg. Inzwischen ist der Schnee etwas geschmolzen und hat sich mit der dunklen Lavaerde vermischt, sodass sich unsere Befuerchtungen, auf dem Eis in die Tiefe gleiten zu muessen, zerschlagen. Zuletzt oeffnet sich sogar die Wolkendecke am Fusse des Berges und laesst einige kaergliche Sonnenstrahlen durch.

Ein Ruhetag ist uns vergoennt, dann treten wir zu einem noch hoeheren Wagnis an. Durch den Nationalpark Cotopaxi und nach kurzem Zustieg quartieren wir uns in der riesigen Berghuette auf 4800m ein. Abendliche Sonnenstrahlen lassen den schneebedeckten Kegel des 5897m hohen Cotopaxi verfuehrerisch erglitzern… In aufgeregter Vorfreude ueberpruefen wir nochmals Steigeisen und Ausruestung, bevor wir uns fuer einige Stunden in die Schlafsaecke verkriechen.

Um Mitternacht muessen wir die mollige Waerme verlassen. Eisiger Schneesturm empfaengt uns beim Oeffnen der Tuer! Mit Stirnlampen bewaffnet folgen wir in gleichmaessig langsamen Schritten unseren Guides. Wie Irrlichter taenzeln die einzelnen Gruppen ueber den Schnee- und Gletscherhang. Eiskristalle prasseln windgetrieben auf uns nieder, bleiben an Kleidung, Rucksaecken und Stirnlampen haften, sodass wir bald wie gefrorene Schneemaenner aussehen. Tapfer kaempfen wir uns aufwaerts, erholsame Pausen scheinen unter diesen Wetterbedingungen fast unmoeglich, und der Wind ruettelt nicht nur an der Kleidung, sondern bald auch an Kraft und Energie. Fuer Sylvia rueckt der Gipfel in immer weitere Ferne und schweren Herzens faellt nach einiger Zeit der Entschluss zur Umkehr. Geri stand bereits vor 25 Jahren “on the top” und verzichtet in fuersorglicher Weise auf einen neuerlichen Gipfelsieg. Nur Stefan und Martin werden erfolgreich sein… Mit uns drehen noch etliche Gruppen um und bald gleicht der von abgeschuettelten Eisklumpen uebersaete Huettenboden einem aufgehackten Eislaufplatz. Gegen 10 Uhr frueh wanken Stefan und Martin erschoepft, aber gluecklich zur Tuer herein.

Thermalquellen versoehnen uns im lieblichen, von ueppig gruenen Gipfeln umrankten Oertchen Banos. Kaum zu glauben, dass der Vulkan hier erst vor vier Jahren ausgebrochen ist, nur ueberall angebrachte Fluchtschilder mahnen uns noch an dieses schreckliche Ereignis. Gemuetlich zuckeln wir mit einem offenen Bus entlang des von herabstuerzenden Wasserfaellen begleiteten Flusses. Ueber die Schluchten fuehren abenteuerlich eingerichtete Drahtkabinen, von LKW-Motoren betrieben – und wir lassen uns natuerlich diesen Nervenkitzel nicht entgehen!

 Als kleines Paradies auf Erden, in dem sich Mensch, Tier und Natur in vollkommener Harmonie vereinen, stellen sich die Galapagos Inseln dar.

Martin ist inzwischen nach Peru weitergereist, Stefan begleitet uns noch bei diesem einzigartigen Erlebnis, bevor auch er uns in Richtung Wien verlaesst.

Mit einem kleinen Schiff gleiten wir von einer Insel zur anderen, jede von einmaligem, andersartigem Reiz. Wie ein mystischer Reigen spannen sich vor uns seltsam geformte Kakteenstraeucher und –baeume, dazwischen sattgelbe und weinrote Matten, dunkles schroffes Lavagestein und glattschwarze Felsbrocken. In den leuchtend weissen und goldgelben Sandbuchten tummeln sich zahlreiche Seeloewen-Kolonien, das Gebruell der maennlichen Machos ist schon von Weitem zu hoeren! Mit unendlichem Genuss gibt sich der Rest der Herde der andauernden Fiesta hin oder legt einige Wasserkueren ein. Als Sylvia beim Schnorcheln von einem Seeloewen umkreist wird, geraet sie in Verwirrung. “Er will nur spielen!”, ruft ihr unser Guide zu.

Auf Anhieb verlieben wir uns in die Blue Foot Boobies, Seevoegel mit knallblauen Watschelfuessen !!

Mit an Bord ist auch ein Hobby-Ornithologe, der uns bald mit seiner Begeisterung fuer seltene, oft winzig kleine Vogelarten ansteckt. Wie ein Wunder mutet die Zutraulichkeit der Tiere an, trennen uns doch oft nur wenige Zentimeter von ihnen! Mit stolz geblaehtem rotem Kropf praesentieren sich die balzenden Fregattvoegel, die unser Schiff neben Walen, Mantelrochen und riesigen Wasserschildkroeten begleiten. Manche der mit spitz aufgerichteten Zacken, in allen Farben schillernden Leguane scheinen sich fast fotogeil auf den Felsen vor uns hinzustrecken.

Eine Wanderung zum zweitgroessten Krater der Welt auf der idyllischen Insel Isabella und das Durchkriechen von unterirdischen Lavahoehlen stellen weitere Hoehepunkte dar.

“Lonesome Georg” ist der beruehmte Artgenosse zahlreicher herumkriechender Landschildkroeten von betraechtlicher Groesse. Allerdings ist er der letzte seiner Art - eine weibliche Gefaehrtin gibt es nicht – und so wird mit seinem Ableben auch die Gattung ausgestorben sein…

Mit gewaltigem “Landgang” , als Folge der oft rauen See, kehren wir zufrieden und gluecklich ins “Secret Garden” nach Quito zurueck.

 Vom Andenhochland in die in ueppigem Gruen wuchernde Tiefe des Amazonas Regenwaldes – vergnuegt tuckern wir mit einem Kanu auf dem Rio Cuyabeno und fuehlen uns dabei wie Tom Sawyer. Grell leuchtende Schmetterlinge und schillernde Libellen gaukeln verfuehrerisch ueber die schlammig braune, modrig riechende Wasseroberflaeche. Ibisse, Tucane, Aras und viele andere exotische Vogelarten schwingen sich mit verschiedensten Melodien und Lockrufen zwischen den wild verschlungenen Astgabeln und Palmenblaettern.

Geisterhaft muten die tief ins Wasser haengenden, skurill geformten, besengleichen Luftwurzeln und Lianen. Kleine Wasserschildkroeten sonnen sich auf im Fluss treibendem Geaest und verschnoerkelten Wurzeln mancher Baumgiganten. Totenkopf-, Weissgesicht- und Eulenaeffchen tummeln sich in ihren hohen Kronen, ockerfarbene Baumboas baumeln traege im Astgewirr, meterlange Wasserschlangen schlaengeln sich scheu am Ufer dahin, hin und wieder kann man kleine Piranhas entdecken.

Unsere Unterkunft beziehen wir in einem entzueckenden Bungalow der Samona Lodge, Kerzenbeleuchtung mangels Strom, dafuer einige handtellergrosse, pelzige Taranteln als niedliche Haustiere im schraegen Blaetterdach.

Ausgedehnte Wanderungen bei Tag und Nacht eroeffnen uns die Geheimnisse des Dschungels. Wer weiss schon, von welch cremig schmackhaften, proteinhaeltigen Ameisenhinterteilen man sich ernaehren kann, welche Arten beim Zerreiben duftendes Kokosparfuem verstrahlen und welch giftige Beruehrungen mit diversen Spinnen, Froeschen und winzigen Ameisen man besser vermeiden sollte? Oder dass das beruechtigte Pfeilgift Curare fuer den Menschen keineswegs toedlich wirkt, nur in Verbindung mit anderen Giften, wie uns unser indianische Guide Luis erklaert, der sein botanisch-medizinisches Wissen noch aus dem uralten Weisheitsschatz seines Volkes schoepft. Er beherrscht nicht nur zahlreiche Indianerdialekte, sondern auch spanisch, englisch, deutsch und saemtliche lateinische Bezeichnungen! Oft unterhaelt er uns abends, zusammen mit anderen Einheimischen, mit traditionellen und modernen Liedern auf unterschiedlichen Instrumenten.

“Diese Idylle und Unberuehrtheit wird wohl eines Tages verschwunden sein, denn die Oelgesellschaften draengen zum Bau von Strassen!”, meint er nachdenklich.

Grossartig die Abendstimmung auf der Laguna Grande! In allen Rotschattierungen leuchten Buesche und Baeume auf, gnomartige Wolkengebilde spiegeln sich im dunkler werdenden Wasser wider, der Dschungel hebt zu vielstimmigem Chor an. Unheimlich gluehen die roten Augenpaare der herumschwirrenden Voegel und der am Ufer lauernden, bis zu fuenf Meter langen Kaimane in der Dunkelheit. Nach einem Bad in den kuehlen Fluten sitzen wir noch lange vertraeumt am Steg und beobachten die vorbeispringenden Delfine.

Ob es sich wirklich um einen heilkundigen Schamanen handelt, den wir einige Stunden flussabwaerts besuchen, werden wir wohl kaum erfahren, jedenfalls isr er einer der liebenswuerdigsten! Mit praechtigem Federschmuck und Ketten aus Raubtierzaehnen ausgetattet, beantwortet uns der fast 80-jaehrige freundlich und bescheiden unsere Fragen und gibt Einblick in die Rituale. Wir durchstreifen seinen “Zaubergarten” und das weitere Flussschlingen entfernte Dorf, wo wir die Zubereitung knuspriger Maniokfladen verfolgen und mit dem Hausaeffchen spielen.

Dass Mensch und Natur mit Respekt miteinander umgehen sollten, wird uns am naechsten Tag aufgezeigt: Ein Skorpion will nicht zwecks besserem Foto an einen anderen Platz gesetzt werden – da sticht er zu! Ein paar schmerzvolle Tage werden auch bei diesem jungen Mann einen Lernprozess einleiten...

Die Rueckfahrt mit dem Kanu wird allerdings dann fuer uns alle fast zum Verhaengnis! Der Wasserstand ist extrem zurueckgegangen und unser schwer beladenes Boot knattert und schrammt muehsam durch die Windungen. Da saust mit einem Mal ein unbeladenes Kanu um die Ecke, rammt uns am Bug und schiesst ueber unsere Koepfe hinweg! Nur der blitzschnellen Reaktion von Luis, der es mit einem kraeftigen Stoss auf die Seite drueckt, ist es zu verdanken, dass wir nicht allesamt im Wasser landen oder gar Aergeres passiert!

 

 

KOLUMBIEN  -  Zwischen Guerillas und Karibik

 

Die Durchzugsstrasse von Ecuador nach Kolumbien ist bekannt fuer Raubueberfaelle, allerdings nur bei Nacht, und so absolvieren wir die 18 stuendige Fahrt am 23.September hauptsaechlich bei Tag, wobei wir gleich mit vorueberziehenden herrlichen Landschaftsbildern belohnt werden: Kleine schmucke Doerfer wechseln mit bewaldeten Huegeln und Schluchten.

Das Staedtchen Popayan wurde nach dem Erdbeben 1983 in alter Pracht aufgebaut. Zwei alte Bogenbruecken fuehren in die entzueckende Innenstadt. In Weiss erstrahlen Kirchen, kleine Universitaeten und Kolonialhaeuser mit geschmackvoll gestalteten begruenten Innenhoefen. Diverse Platzregen verleiten in die zahlreichen Konditoreien und wir geniessen erstmals den koestlichen kolumbianischen Kaffee! Ein unglaubliches Aufgebot an Polizisten, Militaer und privaten Sicherheitsleuten auf Strassen und in fast jedem Haus sorgen Tag und Nacht hier und auch sonst im Land fuer absolutes Sicherheitsgefuehl. Auch die Sauberkeit auf den Strassen beeindrucken uns sehr, mancherorts herrscht sogar Muelltrennung, Rauchverbot in Lokalen ist gar kein Thema.

Suedamerika verfuegt ueber ein ausgedehntes Busnetz, jeder Busterminal gleicht einem Flughafengebaeude mit unzaehligen Geschaeften, Kiosken und Fahrkartenschaltern, vor denen die Abfahrtszeiten der Busse ausgerufen werden. Gleich beim Betreten der Halle wird man zum richtigen Platz eskordiert. Wir verstauen unser Gepaeck in einem etwas klapprigen Minibus - und schon gehts in Richtung Berge los. Anfaenglich gleiten wir noch auf Asphalt, aber dann wird Luft aus den Reifen gelassen und wir rumpeln auf loechriger Schotterpiste im Schneckentempo dahin. Oft neigt sich der Wagen bedrohlich zur Seite, das Quietschen und Krachen wird nur durch kolumbianische "Schmachtfetzn" uebertoent. Angesichts fehlender Stossdaempfer hebet es uns einige Male mit den Koepfen bis an die Decke, ein Huhn flattert verstoert aus einem Sack. Durch die verschmierten Fenster nehmen wir auf 3000m Hoehe die einer oesterreichischen Hochalm gleichende Umgebung wahr: umzaeunte saftig gruene Weiden mit schwarzgefleckten Kuehen, schaeumende Baeche, dazwischen einsame Gehoefte...

Natuerlich wissen wir, dass wir uns in dieser Gegend in der Hochburg der Guerillas befinden, und ein Ueberfall laesst auch nicht lange auf sich warten...

Ohne fuer uns zunaechst ersichtlichen Grund haelt der Bus ploetzlich auf offener Strecke an, vor uns stehen bereits zwei LKWs und ein weiterer Bus. Da steigt ein im Kampfanzug mit Gewehren und Macheten schwer Bewaffneter ein und bittet die Fahrgaeste hoeflich, aber bestimmt auszusteigen. Schweigend, mit etwas erschrockenen Gesichtern, verlaesst einer nach dem anderen das Gefaehrt. Wir nutzen die Gelegenheit schnell, um unsere strapezierten Blasen, einige andere ihre durcheinander geschuettelten Maegen zu entleeren, dann schliessen wir uns dem Strom nach vorne an. Gespannt harren wir an einem Versammlungsplatz der Dinge. Was jetzt? Ein Fuehrer tritt auf, stellt sich auf eine Anhoehe, begruesst alle, bedauert, dass am Vortag einige wichtige Mitglieder erschossen wurden und erklaert die Anliegen der Gruppe. Leider ist unser Spanisch nicht gut genug fuer den Wortschwall und von Zwischenfragen sehen wir ab. Nach einer Weile endet die Ansprache, der Redner bedankt sich fuers Zuhoeren und - wuenscht allen eine gute Reise! Gracias, murmelt die Menge, und weiter geht die Fahrt unter dicken Staubwolken nach San Augustin. Gewalt an der Bevoelkerung und Entfuehrung von Touristen ist seit einigen Jahren kein Thema mehr, erklaeren uns unsere franzoesisch staemmigen Gastgeber, nur ins Schussfeld zwischen Guerillas und Militaer sollte man nicht geraten, was ziemlich schwer fallen duerfte, denn lieber wird ein Gebiet abgeriegelt, wenn die Sicherheit von Touristen aus irgendeinem Grund gefaehrdet sein sollte. Viele der aufstaendischen Gruppen haben inzwischen den Kampf aufgegeben und Sitze im Parlament ergattert.

Geheimnisvolle, uralte Statuen und Graeber, deren Herkunft bis heute nicht entraetselt wurden, ueberziehen weitlaeufig die geschwungenen Huegel von San Augustin. Dazwischen breiten sich idyllische Dorfgemeinschaften und Fincas aus, jedes Haeuschen im Eingangsbereich reichlich mit Blumenampeln ausgestattet, auf einem Baenkchen sitzend winken uns die Einwohner freundlich zu, gar mancher Guerilla im Kampfanzug dazwischen.

In der Zona Cafetera liegt das anmutige Bergdorf Salento, die bunt gestrichenen Haeuschen mit ihren winzigen Balkonen sind wieder ein wahrer Augenschmaus! Vulkane bilden die Kulisse der mit Kaffeepflanzen ueberzogenen Berge. Wichtigstes Fortbewegungsmittel hier und auch in den anderen Andendoerfern ist das Pferd. Laessig traben die Reiter mit graubraunem Poncho und Cowboyhut im Westernsattel durch die Gegend. Durch dichten Nebelwald gelangen wir auf abenteuerlichen Holzstegen ueber angeschwollene Baeche und Schlammwegen in den skurrilen Wald der Wachspalmen, einzigartig und nur hier zu finden, sind es auch die hoechsten Palmen der Welt. Glattstaemmig ragen die hochhausgleichen, schlanken Gewaechse in den Himmel, nur ganz oben der Blaetterkranz. Kein anderer Baum oder Strauch auf der saftig gruenen Weide, nur grasende Kuehe. Andaechtige Stille schwebt ueber der windlosen, weiten Hochflaeche. Abends staerken wir uns mit einem leckeren Forellengericht und spazieren bei trautem Laternenschein in unsere Unterkunft.

Krasser kann der Kontrast gar nicht sein, als wir im quirrlig lauten Studentenviertel in die Hauptsstadt Bogota einziehen. Aus uebervollen Pubs toent naechtens laute Discomusik und in manch schummriger Ecke durchwuehlen Obdachlose den auf den sonst sauberen Strassen in Plastiksaecken abgestellten Muell. Unser erster Besuch gilt natuerlich dem beruehmten Goldmuseum und nebst Kathedrale und weiteren kunstvoll ausgestalteten Kirchen einer Austellung von seltenen Werken alter Meister wie Degas, Monet, Renoir und Picasso. Die vom hiesigen Zeitgenossen Fernando Botero karikierten ueppigen Fleischwuelste muten an wie in einem Lachkabinett, selbst Praesident und Gattin oder Mona Lisa bleiben nicht verschont. Einmalig ist auch die einige Kilometer entfernte, in einer Salzmine unteriridsche, aus riesigen Salzbloecken geformte Kathedrale mit etlichen, in verschiedenen Farben beleuchteten Seitenaltaeren und langen Gaengen.

Kurz vor unserer Weiterfahrt verwandelt heftiger Regen die abfallenden Gassen Bogotas in unpassierbare Baeche und wir fuerchten schon kein Taxi rechtzeitig zum Busterminal zu erwischen. Die ganze Nacht sind wir in Richtung El Cocuy unterwegs und der Himmel hat seine Schleusen weiterhin offen. Gegen 6 Uhr morgens haelt der Bus ploetzlich an. Schon wieder Guerillas? Alle steigen aus. Ein entwurzelter Baum erstreckt sich quer ueber die Strasse. Machete, bruellt der Fahrer laut in die verschlafene, doerfliche Stille, und tatsaechlich kommen sofort etliche Kinder mit entsprechendem Werkzeug angetrabt. Eigenhaendig zerlegt unser Chauffeur mit gekonnten Hieben das Hindernis, wir helfen natuerlich beim Wegschleppen. Des Weiteren unfahren wir immer wieder vom Hang gerutschtes Felsgestein - und dann ist auf einmal entgueltig Schluss! Ein gewaltiger Erdrutsch hat riesige Steinbrocken und mit Baeumen und Straeuchern vermischten Schlamm auf die Fahrbahn geschleudert und die halbe Strasse dabei weggerissen, ein Sturzbach befoerdert weiteres Material abwaerts. Bestuerzt starren wir auf das Ausmass der Katastrophe! Aus! Wieder zurueck nach Bogota! Handys schnellen ans Ohr, ein Bagger taucht auf, versucht dem Chaos Herr zu werden, muss schliesslich aufgeben. Was fuer uns Vergnuegungstour ist, ist fuer die Einheimischen bitterer Ernst, sie muessen hinueber! Notduerftig werden Holzbretter ueber den Schlamm gelegt und schon wandern Fleischstuecke, frisch vom Haken, und Pakete auf die andere Seite. So mancher sinkt dabei bis zum Allerwertesten ein, und auch wir bleiben nicht ganz verschont, obwohl uns freundlicherweise unsere grossen Rucksaecke abgenommen werden. Drueben wartet schon ein Bus, muss einige Kilometer auf der schmalen Strasse im Rueckwaertsgang schieben, weitere Erdrutsche umkreisend, immer haarscharf am bruechigen Rand, gar mancher wuerde jetzt lieber wieder aussteigen, was auch bald der Fall ist, denn erneut ist die Strasse unpassierbar. Nun heisst es zu Fuss weitermarschieren - El Cocuy liegt etwa eine Autostunde entfernt! Retter in der Not nahen in Form eines Jeeps und befoerdern uns schliesslich in das anmutige Doerfchen, ganz in hellgruen und weiss gestylt, findet doch zur Zeit ein Schoenheitswettbewrb unter den Doerfern statt. Vor einiger Zeit war hier buchstaeblich noch die Hoelle los, drei rivalisierende Rebellengruppen trugen wilde Schiessgefechte aus, einige aus gestapelten Saecken verbliebene Schutzhuetten mit Schiessloechern werden nun mit Holzbrettern verbaut - so ganz traut man dem Frieden noch nicht...

Fuer uns ist der erst kuerzlich eroeffnete und noch weitgehend unbekannte Nationalpark das grosse Ziel - in grandioser Bergwelt eingebettete Lagunen, umgeben von einzigartiger Pflanzenwelt in allen Farbschattierungen und den vielfaeltigsten Geruechen. Wir saugen in bis zu zehnstuendigen anstrengenden Touren ueber Felsen, durch Baeche und Suempfe dieses Naturschauspiel in uns auf, und der Wettergott ist uns auch trotz Regenzeit gut gesonnen. Nur die hier ansaessigen Leoparden bekommen wir leider nicht zu Gesicht! Hoehepunkt soll die Besteigung des 5330m hohen Rita Cuba Blanco sein. Wir errichten nach steilem Aufstieg unser Zeltlager auf 4500m. Eine sternklare Nacht laesst uns optimale Bedingungen erwarten, aber auch eisige Kaelte um 6 Uhr morgens. Nach einer Kletterei ueber die, wie von Riesenhand hingestreuten, glatten Felsplatten erreichen wir die Schneegrenze und legen Steigeisen und Seil an. Vor uns breitet sich hochtuermend die gleissende Pracht aus, truegt staendig das Auge. Kaum haben wir das Gefuehl einen Kamm gleich bezwungen zu haben, dehnt sich die in der Sonne glitzernde Pracht erneut zu Huegeln auf. Endlich laesst ein auftauchender, niedrigerer Gipfel, umringt von gewaltigen, tuerkis schimmernden Eisabbbruechen und Spalten, auf das nahe Ziel hoffen. Eine letzte Steilstufe, an der wir uns mit Hilfe des Pickels hochziehen, muss noch ueberwunden werden, und wir stehen am hoechsten Punkt der Ostanden! Gluecklich drehen wir uns im Kreis, um all die erhabene Schoenheit der Bergwelt rings um uns erfassen zu koennen. Unser Guide Alfredo mahnt zum Aufbruch, der Schnee droht zu weich zu werden, und die Gefahr in Gletscherspalten einzubrechen, wollen wir nicht riskieren! Wehmuetig verlassen wir dieses schoene Fleckchen Erde...

11 Stunden tuckern wir ueber Ausweichstrassen nordwaerts, uebernachten, und schliessen weitere 30 Stunden Busfahrt an. Wieder kurven wir auf abgerissenen Bergstrassen, von Hangrutschen begleitet, entlang schwindelerregender Abgruende, bis wir schliesslich die Karibikkueste erreicht haben. Dampfende Schwuele und ein voellig anderer Lebensstil empfangen uns hier, Gemaechlichkeit, Gelassenheit und Frohsinn... Noch einmal wird die Fahrt wegen einer Schuelerdemonstration fuer zwei Stunden unterbrochen, trotz bruetender Hitze murrt keiner!

Cartagena, die legendenumwobene Maerchenstadt an der Karibikkueste, umgeben von Steinwaellen, ehemals als Schutz vor Piratenangriffen, verleitet zum romantischen Flanieren durch die verwinkelten Gassen, in denen Bougainvilleen riesige Balkone bedecken und massive Kirchen ihre Schatten auf begruente und belebte Plazas werfen. Hier treffen wir uns mit Geris Schulfreund Rainer, den wir vor 3 Jahren in Singapur besucht haben. Der Abend klingt mit Bier und einer von mit Trommelwirbel begleitenden Parade aus.

Von hier ist es nicht weit zum in einer idyllischen Bucht gelegenen Fischerdorf Taganga, einer der schraegsten Hippieplaetze, die wir auf unseren Reisen kennen gelernt haben. Haengengebliebene Touristen bevoelkern Strand und Hauptstrasse, die von zahlreichen Imbissbuden und Cocktailbars gesaeumt wird, Typen wie Waluliso und Moechtegernbarden heften sich an die Fersen, dem Dorffest bleiben wir auf Anraten lieber fern, denn die Einheimischen greifen nach entsprechendem Alkoholkonsum schnell mal zur Knarre und ballern durch die Gegend. Wir finden unser Glueck unter Wasser! Sylvia absolviert den vor 3 Jahren in Manado wegen Denguefiebers abgebrochenen Tauchkurs und nun geht es dann gemeinsam hinab zu fantastisch geformten Korallenriffen. Neugierig begaffen uns in leuchtenden Farben schillernde Fische und Meeresschildkroeten, unheimlich aeugen Muraenen aus ihren Loechern, anmutig wiegen sich veraestelte Ranken, wankelmuetigen, sehnsuechtigen Gestalten gleich...

Lost City ist neben Machu Picchu die groesste praekolumbische Stadt auf dem amerikanischen Kontinent und wurde 1973 von Grabraeubern entdeckt. Um in die geheimnisvolle Stadt im Dschungel zu gelangen, ist die Erlaubnis der dort in alten Traditionen und Riten verwurzelt lebenden Kogi Indianer erforderlich. Fuenf schweisstreibende Tagesmaersche ueber Schlammpfade, zerklueftete Felsen und glitschige Wurzeln stehen uns in der von Moskitos und Sandfloehen verseuchten Gruenen Hoelle bevor. Staendig muss man die reissenden Flussschlingen des Rio Buritaca brusttief durchwaten, geschlafen wird in diversen Camps in Haengematten. Immer wieder begegnen wir Kogi Kindern in weissen Hemdchen, leichtfuessig, ohne Schuhwerk, huschen sie vorueber, ein Schwein nachziehend oder einen Saeugling im Arm. Scheu blicken sie uns mit ihren grossen, schwarzen Auegen an, kaum ist ihnen ein Laecheln zu entlocken. Der Kampf durch den mystisch anmutenden Urwald wird reichlich belohnt! Ehrfuerchtig schreiten wir schliesslich die moosueberwachsenen 1600 Steinstufen zu den 280 Felsterassen empor. Waechter standen einst am Fusse und entschieden, wer in die Stadt hinauf durfte. Ein wahrhaft erhabener Anblick breitet sich auf dem hoechsten Punkt unter uns aus, Zauber und Spiritualitaet, fuehlbar fuer alle offenen Herzen...

Offene Herzen und unglaubliche Freundlichkeit sind uns stets in ganz Kolumbien begegnet und wir verlassen dieses herrliche Land am 1.November mit dem Wunsch wieder zu kehren!

 

 

VENEZUELA - Mystic tours

 

Mit leichten Erfrierungserscheinungen, ob des ueberklimatisierten Nachtbusses rauschen wir am Dienstag, den 2.November fruehmorgens in die Hauptstadt Venezuelas, in Caracas ein. Die Stadt bietet ausser einem liebevoll gestalteten Museum zu Ehren des Volkshelden Simon Bolivar nicht viel. Dafuer haben wir alle Haende voll zu tun, um unsere Dollars zu Schwarzmarktkursen einzutauschen und muessen dabei staunend so manche Lehre ziehen. Je besser die Kurse, desto versteckter die Hinterstuebchen in diversen Geschaeften. Fantasieangebote schlagen wir feige aus - zu verborgen und dunkel erscheinen uns die Winkel der Abwicklung mit zwielichtigen Gestalten.

Im naechsten Bus Richtung Suedosten faellt die Klimaanlage gaenzlich aus, und da auch kein Fenster zu oeffnen ist, kommen wir schweissgebadet abends in Ciudad Bolivar an. Heftige Regenfaelle haben das Staedtchen in ein Wasserlabyrinth verwandelt, die Strassen sind menschenleer und stockdunkel. Aufatmend betreten wir schliesslich die in alter Ziegelbauweise errichtete Posada Don Carlos, ein herrliches Refugium fuer einige Tage. Geraeumig hohe Zimmer mit alten kolonialen Holzmoebeln, ein lauschiger Innenhof, Bibliothek, Bar, Internetraum, fantastischer Kuechenservice und ein fuersorglicher Verwalter "nach 18 Uhr geht ihr hier nicht mehr raus". Er organisiert auch die naechste Tour fuer uns und bringt uns persoenlich zum Flughafen, auf dem sich auch das Flugzeug von Jimmie Angel befindet, der 1937 auf der Suche nach Gold auf dem Hochplateau des maechtigen Auyantepui bruchlandete und dabei den hoechsten Wasserfall der Welt entdeckte. Tafelberge, von den Indianern tepui "Berg" genannt, sind 2 Milliarden Jahre alte Sandsteinplateaus, die Ueberreste einer gewaltigen Sedimentschicht.

Grossartige Ausblicke gewinnen wir bei dem Flug mit einer winzigen Cessna ueber die Gras- und Flusslandschaft, die sich bis Canaima erstreckt. In einem waghalsigen Bootsritt auf dem Rio Churum ueber wilde Stromschnellen, durch enge Felspassagen, haarscharf an Uferboeschungen unter herabhaengenden Aesten durch, begleitet vom Quietschen, Lachen und Singen dreier einheimischer Maedels, erreichen wir pitschnass, aber bestens gelaunt nach vier Stunden das Camp. Fast unheimlich leuchten bei untergehender Sonne die dunkelroten Steine aus dem schwarzen Fluss. Bald schon bruzzeln auf Stoecke gespiesste Huehnerteile ueber dem Lagerfeuer und in Haengematten schlummernd erwarten wir den naechsten Tag. Ein geheimnisvoller, wurzeldurchflochtener Dschungelpfad fuehrt zum Salto Angel. Ueber eine Stunde harren wir auf einer Felskuppe aus, bis sich der dichte Nebelschleier endlich hebt und fuer einige Augenblicke die gesamte Laenge des Wasserfalls preis gibt. 979 Meter ergiesst sich die tosende Kaskade, im unteren Bereich einer weissen zuengelnden Flamme gleich - der hoechste Wasserfall der Welt! Feiner rosafarbener Sandstrand schmiegt sich an die Lagune im Unterlauf des Flusses an. Bilderbuchgleich erheben sich drei Palmen aus dem tuerkisklaren Wasser. Dahinter schiesst der Fluss ueber sieben herrliche Kaskaden. Hoehepunkt bei der Rundwanderung ist der Salto Sapo - ein Felsweg fuehrt direkt hinter ihm vorbei! In Badeausruestung tasten wir uns entlang eines Seiles an der bruellenden Wassermasse vorbei, ein Teil ergiesst sich ueber uns und laesst uns die gewaltige Kraft dieses aufgewuehlten, schaeumenden Elements nur erahnen, es bleibt uns schlichtweg die Luft weg!

Hungrig verschmausen wir am Nachmittag auf der Veranda unseres Quartiers ein paar Kekse. Da gurrt es ploetzlich in der Baumkrone und ein Ara huepft behaende das Astwerk herunter, haelt treuherzig das Koepfchen schief - und schnappt uns vorsichtig ein Stueck Keks aus der Hand.. Ein zweiter Ara folgt, und bald ist die Packung leer. Wir bieten Knaeckebrot an, was veraechtlich ausgespuckt wird, also muss noch eine Schachtel Kekse dran glauben, dann fliegen sie Kreise ziehend davon... und am naechsten Morgen sitzen sie schon wieder wartend am untersten Ast, das Koepfchen schief, mit Gurr- und Quietschtoenen lockend.

Gran Sabana, die Grosse Savanne, das fast menschenleere, gruene, huegelige Hochland bietet durch die endlose Monotonie wogender Graslandschaft, nur vereinzelt von Palmenwaeldchen aufgelockert, seinen eigenen Reiz. Dazwischen thronen mehr als 100 Tafelberge wie urzeitliche Trutzburgen. Unser Ziel ist der 2800m hohe Roraima. Viele Geschichten ranken sich um diesen Berg, von vermuteten noch lebenden Dinosauriern, ueber Ufolandungen, bis hin zu uebernatuerlichen Kraeften, die man bei Erreichen des Plateaus entwickelt... Von Santa Elena aus starten wir die Tour. Zwei Tage dauert der sanft wellige Zuweg bis in die Naehe der senkrechten Wand, wobei wir auch wieder gewaltige Fluesse durchqueren muessen. Von allen Geschichten wahr sind leider nur die ueber die wie Nebelschwaden verfolgenden Puri Puri, mit denen wir ja schon frueher Bekanntschaft hatten. Umsichtigerweise bedecken wir fast alle Koerperteile und was noch an Haut herausragt, wird dick eingeschmiert. Aber natuerlich, wenn man beim Erledigen des "Geschaeftes" den Allerwertesten vergisst, ja dann haben die Biester eben Kirtag... Sie verschwinden in der Daemmerung, schmunzelt unser indianischer Freund, dessen Haut veschont bleibt, aber dann kommen die Moskitos! Bis zu 70 Prozent Gefaelle weist der steile Aufstieg entlang der Felswand auf, im oberen Bereich erhaelt man noch unfreiwillig Abkuehlung in Form herabstroemender Wasserfaelle. Nach drei Stunden ziehen wir uns schnaufend ueber die letzten Felsen und Kanten zum Plateau hoch - und bleiben wie gebannt stehen. Ein atemberaubender Anblick! Durch Wind und Regen wild zerklueftet breiten sich schwarze Felsplatten und skurill geformte Gebilde vor uns aus, dazwischen blinzeln in verschiedenen Gruentoenen leuchtende seltsame Pflanzen und kleine bunte Blumengaerten hervor. Rosafarbene Sandabschnitte und Baeche fuellen wie Gitter kontrastreich das vorherrschende mystische Dunkel. Fallweise kann man Pfade auf oft begangenen abgewetzten Felskaemmen und Platten erkennen, ansonsten muessen wir uns auf den Orientierungssinn unseres Guides verlassen. Er fuehrt uns zu einem der hoteles, ein Zeltlager auf luftiger Hoehe unterhalb eines schuetzenden Felsvorsprungs. "Jakusi" wird der liebliche kleine Teich unweit des Lagers genannt, in dem wir uns endlich den Tagesschweiss abwaschen koennen. Ueberwaeltigend der Sonnenuntergang, rotbraunes Licht ueberzieht die dunklen Riesen mit maerchenhaften Glanz. Doch bald setzt heftiger Regen ein und unheimliche Nebelschwaden lassen jegliche Sicht wie von Zauberhand verschwinden. Die Nacht wird bitterkalt und wir sind froh ueber unsere warmen Daunenschlafsaecke. Den ganzen naechsten Tag durchstreifen wir das Plateau bis zum Triple Point, das Dreilaendereck zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana, auch gleichzeitig hoechster Punkt dieses Landes. Dabei stossen wir unter anderem auf El Foso, ein kristallklares Wasserbecken in einer gigantischen Doline und auf das Cristal Valley: Wer jemals in so einer ueberwaeltigenden Pracht verweilen darf, vergisst alles rund um sich! Ein von glitzernden Bergkristallen in allen Groessen und Formen und vollendeter Reinheit und Klarheit ueberzogener Weg mit riesigen Drusen und aufleuchtenden Erdwoelbungen lassen einen ehrfuerchtig erschaudern. Kaum wagen wir es mit unseren derben schmutzigen Schuhen den wundersamen Boden zu beruehren, wehmuetig gleiten die kostbaren Steine durch unsere Finger... Gerne wuerden wir ein paar davon mitnehmen, aber darauf lauern 1000 Dollar Strafe, und die Durchsuchungen am Ende des Treks verlaufen peinlich genau. So begnuegen wir uns mit Fotos und der fantastischen Erinnerung an diese zauberhaften Kleinode. Dankbar steigen wir anderntags ab.

The Middle of Nowhere - wir haben es gefunden! Unglaeubig betrachtet uns der Zoellner bei unserem sidestep nach GUYANA. Nur nach Lethem? Man kann es an seinen rollenden Augen erkennen, entweder vermutet er ein krummes Ding, oder haelt uns fuer vollkommen verrueckt! Ob es ein Transportmittel gibt? Wieder dieses unglaeubige Staunen: You can walk! Also schultern wir unsere Rucksaecke und ziehen auf der heissen, einsamen Landstrasse dahin, biegen bei einer breiten, roterdigen Staubstrasse ab, als wir die ersten Ansiedlungen als zu Lethem gehoerig erkennen. Verlassen oder gerade erst im Bau befindlich wirken die winzigen Stein- und Holzbaracken, zwischen einzelnen Geschaeftchen und Lagerhallen dehnt sich endlose Savanne. Wie spitze Zauberhuete ragen Termitenhuegel aus den semmelblonden Halmen. Hin und wieder begegnen wir Radfahrern, die uns freundlich gruessen, so als ob wir schon immer dagewesen waeren... Erstaunlicherweise gibt es ein nettes Hotel, ganz im englischen Stil, jetzt auch noch mit kitschiger Weihnachtsdekoration. Hier lernen wir die amerikanische Buschpilotin Catherine kennen, die Rettungsfluege in unzugaengliche Gebiete durchfuehrt und uns in den muessiggaengerischen way of life in Lethem einfuehrt - Wieviele Touristen herkommen? Zwei, ihr! Zirpende Grillen begleiten die traege Schwuele des Abends. In einer nahen Dorfkneipe feiern wir bei koestlichen Huehnerspiesschen und kuehlem Bier Abschied. Vom Nebentisch erhebt sich ein Einheimischer: Do you know me? I´m the policeman from the border! Der Kreis schliesst sich. Wir plaudern ueber Gott und die Welt, warum wir ausgerechnet nach Lethem gekommen sind, hat er uns nie gefragt...

Einen Rucksack mit Bergausruestung haben wir in der Posada in Ciudad Bolivar deponiert. Hierher kehren wir nun wieder zurueck und fliegen anderntags wieder westwaerts in das Andenstaedtchen Merida. Unser erster Rundgang fuehrt uns, nebst der Kathedrale natuerlich, zum im Giunness Buch der Rekorde verzeichneten Eissalon mit ueber 900 verrueckten Eissorten wie Polarbier, Kaese oder Forelle. Geri entscheidet sich fuer Samba und Sylvia schleckt sich, wie koennte es auch anders sein, durch Whisky.

Am naechsten Tag schlaengeln wir uns in eindrucksvoller Fahrt durch die Berge. Ueppige Taeler zwischen mit Nebelschwaden verhangenen Bergen und rauschenden Baechen und Wasserfaellen wechseln mit Kakteen ueberzogenen Huegeln, Bananen- und Kaffeeplantagen, dazwischen liegen charmante Bergdoerfer - je kleiner das Dorf, desto groesser die Kirche und der Hauptplatz. Unser Fahrer unterhaelt uns mit Wissenswertem und Geschichten. Fuenf Mal ist er schon von einer Anaconda gebissen worden, als er sie am Schwanz aus dem Wasser gezogen hat, um sie Touristen zu zeigen. Stolz deutet er auf seine Narben, einige abgebrochenen Zaehne stecken jetzt noch in seinem Arm. Ploetzlich ueberholt uns ein Auto, der Fahrer winkt zum Stehenbleiben. Messi spielt gegen Ronaldo - big party!! Biere wandern durch die Fenster zu uns herueber. Prost, das ist Venezuela! Dass der Fahrer tanken muss, waere nun wirklich nicht erwaehnenswert, aber angesichts des Preises treibt es uns die Traenen aus den Augen: 70 Liter berappt er mit stolzen umgerechneten 50 Eurocent! Wer moechte da nicht am liebsten einige Tanks in die Heimat schleppen? Mit einem kleinen Motorboot brausen wir ueber den Rio Catatumbo zum gigantischen Lago de Maracaibo. In einem auf Stelzen im Wasser stehenden Haeuschen werden wir die Nacht verbringen. Gespannt erwarten wir die Dunkelheit. Da zuckt auch schon ein Blitz lautlos grell uebers Firmament, in Sekundenschnelle folgen weitere - kein Donner ist zu hoeren - und so geht es die ganze Nacht! Gebannt beobachten wir das gespenstische Spektakel, nur begleitet vom Gurgeln der Wellen. Unheimliche Geschichten kommen uns in den Sinn... Dieses atemberaubende, weltweit einmalige Phaenomen wird durch den Zusammenprall eisiger Winde aus den 5000m hohen Anden und der aufsteigenden gashaeltigen, feuchtheissen Luft aus dem See erklaert, bewiesen ist dies allerdings nicht... In der Nacht kommt heftiges Unwetter auf. Der Wind peitscht die aufgetuermten Wellen ueber die offene Veranda und wir fluechten mit unseren Haengematten ins hinterste Winkel. Fischerboote rattern nervoes kreisend um schuetzende Ankerplaetze. Gewitterblitze jagen ueber den noch vor wenigen Stunden von Sternen uebersaeten Himmel, mischen sich mit den geheimnisvollen Explosionen und gewaltiges Donnergrollen treibt uns nun wirklich die Gaensehaut hervor. Eigentlich sollte jetzt die Trockenzeit in Venezuela angebrochen sein und daher war auch die Besteigung des Pico Humboldt und Pico Bolivar, mit 5007m der hoechste Berg des Landes, als letzte Bergtour geplant. Aber es sieht nicht gut aus! Nebel haengt ueber den Bergen und es regnet ungewoehnlich haeufig, trotzdem wagen wir den Aufstieg. Der siebenstuendige Marsch mit schweren Rucksaecken zum bei einer Lagune gelegenen ersten Camp auf 3300m wird zum Albtraum. Auf engem Dschungelpfad und bei stroemendem Regen quetschen wir uns unter und ueber glitschige Baumstaemme, hieven uns ueber mit vollgesogenem Moos bewachsene Felsen, nirgends Halt. Dorniges Gestruepp peitscht uns ins Gesicht und verdeckt am Boden schlingende Lianen erweisen sich als boshafte Fussangeln. Voellig durchnaesst retten wir uns ins winzige Zelt. Unser Traeger, der Proviant fuer sieben Tage mitschleppt, trifft drei Stunden spaeter, zitternd vor Kaelte und Erschoepfung, bei Dunkelheit ein. Es regnet die ganze Nacht durch und unser Zelt erweist sich leider als undicht, in der Frueh sind auch noch unsere Schlafsaecke nass. Enttaeuscht beschliessen wir wieder abzusteigen, riskieren nun auch noch ueber die stark angeschwollenen Fluesse zu gelangen. Fuer wenige Stunden zeigt sich in Merida am naechsten Tag die Sonne. Waehrend Sylvia Blasen und blaue Flecken pflegt, beschliesst Geri nochmals aufzusteigen, diesmal von einer anderen Seite...

...Mit gemischten Gefuehlen steige ich am Nachmittag ins 4+4 Gefaehrt. Bammel vor dem Pico Bolivar? Die Schwierigkeiten der Normalroute werden mit III+ bis IV angegeben, das ist die Grenze meiner Leistungsfaehigkeit, genauso schwer wie die Carstensz-Pyramide, und dazu noch der Dauerregen und Schnee! Dass ich mich allerdings in diesen Tagen mehr fuerchten sollte als jemals in den letzten 20 Jahren, konnte ich nicht ahnen: Es war die wildeste Autofahrt meines Lebens, um zum Ausgangspunkt Los Nevados zu gelangen! Im Abstand von hundert Metern behindern Erdrutsche unser Fortkommen und erinnern an die derzeitige katastrophale Unwettersituation in Venezuela. Von der anfaenglichen Asphaltstrasse fuehrt ein einspuriger Erdweg nach Los Nevados, links von steilen Bergwaenden begrenzt, rechts geht es in unendlich tiefe Abgruende. Schon nach zwei Kilometern ist die Strasse von Schlammmassen in die Tiefe gespuelt worden, nur ein 50cm breiter Streifen ist noch uebriggeblieben. Wir muessen umdrehen auf diesem schmalen, jederzeit abrutschbereiten Weglein - mir rutscht das Herz in die Hose! Wir versuchen es ueber eine Umfahrungsstrasse. Ich weiss nicht, ob ich die Weiterfahrt oder lieber die Rueckkehr nach Merida will! Auch hier ueberdeckt eine halbmetertiefe Schlammschicht die Fahrbahn, von den steil aufragenden Bergwaenden prasselt unaufhoerlich neuer Schlamm auf uns herunter, unser Fahrzeug schlingert und rutscht immer scharf am Abhang entlang, kracht mehrmals gegen den Berghang. Die beginnende Dunkelheit verbirgt mit schuetzender Hand die drohende Gefahr und irgendwie kommen wir heil in Los Nevados auf 2700m Hoehe an... Anderntags steigen wir auf einem Maultierpfad in fuenf Stunden zum 4200m hoch gelegenen Alto de la Cruz auf und von dort zur etwas niedrigeren Seilbahnstation Loma Redonda weiter. Von Merida fuehrt die laengste und hoechste Seilbahn der Welt in 4 Etappen bis auf den 4765m hohen Pico Espejo, zur Zeit ist sie allerdings in Reparatur. Gluecklicherweise koennen wir im Stationsgebaeude uebernachten - denn draussen schuettet es wieder einmal! Am naechsten Tag gelangen Ylde, begeisteter Bergfuehrer, und Nick, ein Berfuehrer-Aspirant auf schwerer werdendem Weg zur hoechsten Station. Ich spuere nun den raschen Aufstieg auf fast 5000m schon gewaltig und bin froh, dass wir auch hier wieder das verfallene Gebaeude fuer unsere Unterkunft benuetzen koennen, auch wenn die naechste Wasserstelle eine Stunde entfernt ist. Die Temperatur  bewegt sich um den Gefrierpunkt, doch es hat endlich aufgehoert zu regnen. Schon um 6Uhr frueh brechen wir bei Dunkelheit zum Gipfel auf. Nach wenigen Metern wartet zunaechst die erste Abseilstrecke auf uns, dann bewegen wir uns einige Zeit bei einem Schwierigkeitsgrad von I bis II- laenger seilfrei. Zuletzt aber wird es sieben Seillaengen lang maechtig steil, eine spannende Genusskletterei in einem Mix aus Fels und Eis, zum Teil unheimlich ausgesetzt. Um 9 Uhr stehen wir auf dem hoechsten Punkt Venezuelas in 5007m Hoehe. Das Wetter meint es ueberraschend gut mit uns und wir geniessen zwischen zackigen Felsspitzen einen herrlichen Rundblick ueber die Bergwelt. Zufrieden gelangen wir wieder zur Loma Redonda. Erfreuliche Nachrichten! Wir duerfen mit den Arbeitern in der Seilbahn nach Merida hinunter fahren - kein Horrortrip auf der Schlammstrasse zurueck nach Merida!

Gerne wuerden wir hier in dem netten Staedtchen noch verweilen, aber uns draengt es weiter, die Fluege auf die Karibikinseln Trinidad und Tobago sind schon gebucht...

 

AUF DEN SPUREN DER PIRATEN  -  KARIBIK

Wahrscheinlich gelangt eher ein Kamel durch ein Nadeloehr, denn unsereins in die Karibische Inselwelt Schon das Einchecken auf diversen Flughaefen gestaltet sich amerikanisch genau, mit schriftlichem Vorantrag versteht sich. Unsere Rucksaecke werden von innen nach aussen gekehrt, immer wieder finden sich "verdaechtige Teile", die trotz heftiger Proteste gnadenlos entfernt werden, und wir sprechen hier nicht vom Handgepaeck. Natuerlich genuegt es auch nicht halbnackt durch die Korridore zu laufen, am liebsten wuerden sie uns noch den Mageninhalt herauskratzen. Bei jeder Ankunft lernt man vor allem eins: Geduld und Demut - stundenlanges Warten ist angesagt, streng in der Reihe bitte! Wo wir die letzten Wochen verbracht haben, genau, von wann bis wann! Warum wir einreisen wollen, was wir vorhaben, wo wir wohnen werden? Welche Insel wir als naechste bereisen werden, gibts dafuer ein Ticket? Anfaenglich stottern wir etwas von Inselhopping, und wissen noch nicht genau... Da versteht die Behoerde aber keinen Spass, so geht das auf gar keinen Fall! Eventuell wuerden wir auch mal die Faehre nehmen... Look, das sind mir zu wenig Informationen! Und dann kommt der letzte entscheidende Akt: Wo ist das Ticket zur Heimreise? Erleichtert zuecken wir den Opodo-Ausdruck und waehnen uns diesmal auf der sicheren Seite - weit gefehlt! Erst am 5.Februar, was passiert denn da noch alles dazwischen, und wo bleibt die englische Uebersetzung? Uns platzt gleich der Kragen! Mit gewisser Wehmut denken wir an den beruechtigten Grenzuebergang von Mauretanien in den Senegal zurueck: die letzten hundert Meter ein begleitender Bodyguard und strikte No´s zu handaufhaltenden korrupten Beamten hingeschmettert, schon waren wir drueben! Stirnrunzelnd klescht die strengbebrillte Zollmadame endlich den Gnadenstempel in unsere Paesse und wir landen in einer neuen Warteschlange zur Gepaeckskontrolle. Schnorchelausruestung? Was wir damit vorhaben? Um Gottes Willen, nur schnorcheln, bitte! Ob wir irgendwo Essen versteckt haben? Geris Kekse fuer den Unterzucker, schiesst es uns durch die Koepfe, ganz zu schweigen von Sylvias Trieb Salz- und Pfeffersaeckchen von der Bordverpflegung mitzunehmen. Ob die wohl einen Luegendedektor haben? Und es steht ja schon in der Bibel, du sollst nicht... Wir halten den Atem an und winseln ein "Nein" heraus. Wir werden in der Hoelle schmoren, aber nun winkt die Freiheit! Auf Knien rutschend, Dankesworte stammelnd, verlassen wir die Heiligen Hallen...

Angesichts der Jahrzehnte langen Bedrohung der Karibik durch Piraten muss man natuerlich auch solche Massnahmen verstehen!

Genuesslich schlendern wir durch die sonntaeglich verlassen wirkende Hauptstat TRINIDADs, Port of Spain, vorbei an den wenig verbliebenen Glanzbauten der Kolonialzeit und an den einzig offenen Geschaeften fuer Karnevalsausstattung, bevor wir uns nach TOBAGO einschiffen. Welcome to Paradise! Die kleine Insel stellt sich fuer uns als ein Highlight der Karibik dar. Kilometerlanger einsam weisser Sandstrand mit kristallklarem Wasser, nur von kleinen Fischerdoerfchen unterbrochen, wilder Dschungel im Inneren, freundliche Menschen - Whats up? All right? Are you ok? Spontane Einladungen zu Bier und Plaudereien von crazy haired Typen. Wer weiss schon, dass die einstigen Kolonialisten, vor allem unter Herzog Kettler aus dem Kurland, sich nicht nur mit Tabak-, Zuckerrohr- und Gewuerzanpflanzungen zufrieden gaben, sondern auf das Kapern der vorbeiziehenden spanischen Silberschiffe aus waren... Ein Tauchgang an dem vorgelagerten Inselchen Little Tobago fuehrt uns auch ins unterirdische Wunderland, staunend umschwimmen wir die zweitgroesste Hirnkoralle der Welt. In der Hauptstadt Scarborough haben sich etliche Syrer angesiedelt und schon bald werden wir wie gute Freunde mit Shisha und Kaffee empfangen, entgehen bei leckerem Hummus, mit dem Luxus eines Bestecks, den leider hier ueberall ueblichen eintoenigen Frassfoodlaeden, wo einem die Mayonnaise getraenkte Matsche praktisch durch den Aermel gleich in den Schlund rinnt.. Der 17jaehrige Sohn des Hauses erzaehlt uns stolz von seinem eigenen Unternehmen. Mit einem Rucksack voller T-Shirts zieht er durch die Gegend und will einmal bis New York oder London. Es faellt uns schwer, ihn zu seinen Traeumen zu ermutigen und ihm trotzdem die Realitaet nicht vorzuenthalten.

Wie ein Gemaelde aus Wasserfarben umringt GRENADAs bunte Hauptstadt St.George's, einem englischen Hafenstaaedtchen gleich, die von Yachten und Schiffen aller Art belebte Lagune, die von einem stolzen Fort auf einer Anhoehe ueberragt wird. Wir ziehen mit einem Katamaran ueber raue Wellen zu weiteren zu Grenada gehoerenden Inseln. Auf Petit Martinique gelangt man locker spazierend von einem Ende zum anderen, und wenn man Glueck hat, sieht man auch ab und zu ein Auto. Carriacau bedeutet einen grossen Schritt zurueck auf der Zeitlinie - "hang out and get away from everything". Wir lassen uns in einem kleinen Appartement mit Kueche und Balkon nieder. Ein Potpourri aus den hier haufenweise herumliegenden riesigen rosafarbenen Karibikmuscheln, tropischen Blueten und Kerzen schafft uns die Atmosphaere eines landesangepassten Weihnachtsabends, als Festessen gelangen frisch gekochte Kartoffel und Dosengemuese auf den Tisch, mehr ist in den Laeden nicht aufzutreiben, doch uns schmeckt es hervorragend! Anderntags durchwandern wir die kleine huegelige Insel, muessen dabei aber bedrueckt feststellen, dass Weihnachten hier wohl eine andere Gangart eingeschlagen hat. Waehrend Suedamerika seit Herbst im Weihnachtskitsch ueberzuquellen drohte, ist nun kaum etwas von Glanz und Glitter zu bemerken. Etliche Prachtvillen auswaertiger Besitzer stehen leer, die karge Bevoelkerung scheint sich, vor allem in dem schmuddeligen Staedtchen Hillsborough, in der Hauptsache Koenig Alkohol hinzugeben, so gut wie keiner ist ohne Bierflasche in der Hand anzutreffen, die Wegraender sind gesaeumt davon, viele schafften offensichtlich den Gang zu ihren Haeusern nicht mehr und liegen flach vorm Eingang.

In den Weihnachtstagen liegt auch der Schiffsverkehr lahm. Nur mit Muehe koennen wir ein kleines Boot auftreiben, dessen beherzter Besitzer uns gekonnt ueber die sturmgepeitschten aufgewuehlten Wellen schippert. Ruehrend bemueht er sich auch bei unseren Einreiseformalitaeten in ST.VINCENT and the GRENADINES. Union Island ist eine von den 32 Inselchen, der Hauptort Clifton bietet sich als entzueckender Farbklecks mit sauberen kleinen Laeden und Restaurants dar, im einzigen Hotel koennen wir den Preis mangels Touristen schnell auf eine fuer uns leistbare Ebene herunterhandeln. Der Ort lebt von den zahlreichen, oft unglaublich protzigen Yachten, die in der idyllischen Bucht vor Anker liegen. Schiffsnamen, wie "one more toy" sind keine Seltenheit. Auch die Scaramouche, das Originalschiff aus dem Film "Piraten der Karibik" befindet sich hier. Keine Frage, dass wir unverzueglich an Deck klettern und mit stolz geblaehten Segeln zu den vorgelagerten Inselketten Mayreau, Tobago Cays und Palm Island aufbrechen. Weiss gltzernde Sandstraende, Korallenriffe, umspuelt von tuerkisblauem Wasser und einige servierte Gin Tonics lassen uns ueber die wahren Hintergruende des Piratenlebens gruebeln. Abends wiegen uns die schwungvollen Rhytmen einer Steelpan, Trommelmusik auf Oelfaessern, ein. Wieder herrscht ordentlicher Seegang bei der Ueberfahrt zur schwarzsandigen Vulkaninsel St.Vincent. Die Faehre kann gar nicht richtig anlegen, immer wieder entfernt sich die Gangway vom Kai. Nur ein gewagter Sprung befoerdert uns in das Jahrhunderte alte Seefahrerstaedtchen Kingstown, das Gepaeck fliegt uns nach. Mit dem Geruch vielfaeltigster Meeresfruechte in der Nase wandern wir ueber gepflasterte Strassen und durch Steinarkaden zum Cobblestone Inn, ein origineller Bau im Stil der Kolonialzeit. Wie koennte es anders sein - zu Silvester muss es spucken! Wir steigen zum Kraterrand des La Souffriere auf. Ein kurzer Blick in die gelbschwefelige Tiefe ist uns vergoennt, bevor der Himmel seine Schleusen oeffnet, kalter Regen auf uns nieder prasselt und auch den schmalen Pfad zum 1234m hohen Gipfel verduestert. Zum Jahreswechsel herrscht einsames Schweigen in der Hauptstadt, alles ist verrammelt, ein einziger KFC hat die "koestlichen Pforten" geoeffnet, wenn wir nicht verhungern wollen, muessen wir da hin! Dafuer stossen wir auf der Dachterrasse unserer Unterkunft gleich zweimal aufs NEUE JAHR 2011 an, nach heimatlicher und hiesiger Zeit - 5 Stunden Unterschied.

Unser Neujahrskonzert findet in luftiger Hoehe auf dem Flug nach BARBADOS statt. Ein entzueckendes Gartenhaeuschen am sonnigen Sandstrand ist hier fuer einige Tage unser Zuhause. Im Supermarkt finden wir erstmalig nach langer Zeit des Darbens frisches Gemuese und Salat, allerdings zu stolzen Preisen. Mit einem Mietauto erkunden wir die Insel: die modern quirrlige Hauptstadt Bridgetown, den langstreifigen Sandstrand im Westen, die felsige Atlantikkueste im Osten, ein Paradies fuer Surfer. Beim Queren der Insel stossen wir auf etliche Windmuehlen, eine ist sogar noch in Betrieb, und machen uns auch auf die Suche nach der hoechsten Erhebung. Selbst die Einheimischen sind sich nicht sicher, aber wir finden ihn - den im Unterholz und stacheligem Gebuesch versteckten 340m hohen Markierungsstein des Mount Hillaby!

Bob Marley, Rastafarikult - ueberlaute Reggaemusik toent aus allen Lautsprechern, man wiegt und klatscht, yeah man, thats JAMAICA ! Hier ist, wie kaum auf einer anderen Insel, die Verbindung zu Afrika intensiv spuerbar. 1831 kam es zur groessten Sklavenrevolution, viele mussten dabei ihr Leben lassen, doch etlche konnten in die Berge fluechten und dort als Maroons ihre Traditionen bewahren. Stundenlang kaempft der Jeep ueber die loechrig ausgewaschene Bergstrasse mit teils beaengstigendem Gefaelle und laedt uns vor der Berghuette Wildflower aus. Im schwachen Schein einer Petroleumlampe nehmen wir die Bar aus. Bald schon ist die Luft von suesslich dicken Schwaden geschwaengert, die sich in weiterer Folge durchs ganze Land zu ziehen scheinen, einen eigenen Joint zu rauchen waere die reinste Verschwendung... Frueh am Morgen schultern wir die Rucksaecke und geniessen Natur und klare Luft auf dem Weg zum 2256m hohen Blue Mountain Peak. Bei der Rueckfahrt in die Hauptstadt Kingston stecken wir bald im Stau. You should have come to Jamaica without your wife, meint der Fahrer des Sammeltaxis augenzwinkernd zu Geri. Shall I go out, fragt Sylvia draufhin. Der Stau kann nun gar nicht lange genug dauern, ein Gebruell und Gelaechter hebt an, die Aussage verbreitet sich unter Gehupe von Autofenster zu Autofenster: Welcome to Jamaica, give me five, das sollte einmal meine Frau sagen! Anerkennung bruellend erheben sich die Daumen, yeah! Kingston teilt sich in Uptown, das Gebiet der Reichen, und Downtown, hier tobt der Krieg der Gangs, jeden Tag etliche Morde. Wir sind erschuettert von den unglaublichen Slums und Abfallhaufen zwischen elenden Marktbuden. Der Busbahnhof erinnert uns an afrikanische Verhaeltnisse, gefahren wird erst, wenn in jeder Reihe des Minibusses fuenf Leute gequetscht sind, aufregen sinnlos, einem Einheimischen wird demonstriert, wie er mit einer Schulter nach vor und einer nach hinten gerichtet sehr wohl jede Menge Platz hat. Unsere Rucksaecke stellen ein fast unloesbares Problem dar, aber schliesslich findet sich noch Raum beim Fahrer, der auch bald in gewagtem Tempo loslegt. In Santa Cruz muessen wir in ein Sammeltaxi umsteigen, das uns zur Kueste zu unserer gewaehlten Unterkunft bringt. Fahrer und Mitfahrer sehen bei der Ankunft die Enttaeuschung in unseren Gesichtern. Wir bringen euch woanders hin, erklaeren alle spontan und suchen fast eine Stunde mit uns, bis wir schlussendlich im Golden Sands Resort landen, herrlich am Treasure Beach gelegen, mit akzeptablem Preis und - alle freuen sich mit uns! Ein Bootsausflug entfuehrt uns in die Welt furchterregender Krokodile zur Great Morass am Black River. Sanft gleiten wir durch die fast domartig wallende Mangrovenallee, doch die Giganten lassen sich beim traegen Sonnen ohnehin nicht stoeren, sie sind Touristen gewohnt und kriechen bis zum Dorfrand.

Die BAHAMAS sind anders! Das merkt man schon am Flughafen. Livemusik einer Band geleitet uns zum Immigration-Schalter. Welcome, enjoy your trip, nicht eine Frage zu unserem Verbleib oder unserer Abreise. Natuerlich aber auch gewaltige Preise, Zimmer ab 200$ aufwaerts. Von den 700 Inselchen und 2400 Cays haben wir uns den laengsten und duennsten Strich ausgesucht: Cat Island! Nicht etwa eine Katze steckt hinter dem entzueckenden Namen, sondern der gefuerchtete Pirat Catt. Heftiges Gelaechter, als wir die Frage nach einem ATM dort stellen. Mit einer kleinen Maschine landen wir am Airstrip und erreichen nach einem kurzen Fussmarsch das einzig offene Resort Bridge Inn, wo wir den Zimmerpreis unter 100$ handeln koennen - wir sind und bleiben die einzigen Gaeste. Auch kochen wird die Hausfrau fuer uns, denn die wenigen Hafenkneipen haben fast ausnahmslos geschlossen. Auch sonst findet man hier alles zugebrettert, Ruinen und wenig bewohnte Haeuschen saeumen die einzige Strasse. 1700 Menschen soll es auf der etwa 100km langen und stellenweise nur 2km breiten Insel geben, aber zu Gesicht bekommen wir nur wenige. Am rosafarbenen Strand der wilden Atlantikkueste starten wir mit Raedern, sozusagen vom tiefsten Punkt, wie gehabt, zum hoechsten. Gaenzlich ohne Fixseile und Sauerstoff erklimmen wir etliche Steilstufen, einzige Gefahr sind die vielen sich arglos sonnenden Vipern, denen der Fluchtgedanke fremd ist, und erreichen schwitzend den 62 Meter hohen Gipfel des Mount Alvernia, den Country-Highpoint der Bahamas! Der Eremit Jerome Hawes hat hier vor 80 Jahren in einer Hoehle gehaust und eine entzueckende Kirche errichtet. Ein weiteres Juwel seiner Baukunst befindet sich einige Kilometer weiter, laengst vergessen, ueberwuchert von stacheligen Ranken und Buschwerk. Nach solch einer Anstrengung lassen wir die Seele am karibikseitigen Strand baumeln, kilometerlange Einsamkeit. Sanft plaetschern die tuerkisen Wellen gegen die weiss glitzernden Korallensteine, wuerziger Laerchenduft aus dem nahen Waeldchen weht um unsere Nasen, silberne Woelkchen ziehen durchs Blau, der zarte Wind entlockt den Palmwedeln saeuselnde Melodien - hier koennten wir ewig traeumen... Eleganz, Luxus, Getuemmel, High Society - Stars wie Elton John und Michael Jackson sind auf Paradise Island in der Hauptstadt Nassau abgestiegen. Ein Rundgang im Casino der Prachtresidenz ueberzeugt uns davon, dass wir uns lieber in die Zeit um 1700 versetzen lassen, um mit den gefuerchtesten Piraten nach Schaetzen zu jagen. Wenn wir geschnappt werden, droht uns der Strick! Was solls, it is a short life, but a merry one, lautet der Piratenspruch. Aber im letzten Moment koennen wir doch noch fluechten ins...

 

REICH  DER  MAYA  -  MITTELAMERIKA

Gleich nach der Landung in GUATEMALA sitzen wir bereits in einem der zahlreichen Shuttle Busse, die in einem dichten Netzwerk Touristen zu fast jedem interessanten Punkt bringen, preiswert, bequem, von Hoteltuer zu Hoteltuer. Antigua wurde nach dem schweren Erdbeben ganz im urspruenglichen Stil renoviert, fast ausschliesslich ebenerdige bunte Haeuserzeilen, kunstvolle Eingangstueren zu prachtvollen, begruenten Innenhoefen, dazwischen als beeindruckende Mahnmale die Reste alter Kirchen, oft stehen nur mehr faszinierend verzierte Fassaden. Und natuerlich unzaehlige Maerkte, teils in Laubengaengen, teils labyrinthartig versteckt im Inneren der Haeuser. Als Gott die Farben erschuf, muss er dabei an Guatemala gedacht haben, die Froehlichkeit verspielter Muster tuermt sich in Form von Stoffen und den daraus gefertigten Websachen, Handwerkskunst vom Feinsten, in unseren Breiten leider wenig mehr geschaetzt. Die Buntheit erstreckt sich bis zu den pastellfarbenen Grabsteinen am Friedhof. In einem der Haeuschen finden wir in einem riesigen Wohnzimmer mit altem, schwerem Mobiliar Unterkunft. Gleich ums Eck hat ein Wiener ein Schnitzelhaus eroeffnet. Was liegt naeher, als unserer "Heimat" einen Kurzbesuch abzustatten. Tatsaechlich wird Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat um rund 3€ serviert, es schmeckt koestlich und Wolfgang erzaehlt uns als "Einheimischer" viel Interessantes ueber das Leben in Guatemala. Durch schwarzen Staub und Geroell steigen wir anderntags auf den Vulkan Pacaya auf. Bis zur Kegelspitze duerfen wir allerdings nicht, obwohl es seit Monaten keine Explosionen mehr gibt. Dafuer braten wir Marshmallows in gluehenden Spalten und kriechen in brandheisse Hoehlen. Chicken bus nennen, von Touris eingefuehrt, die Einheimischen liebevoll ihre laenglich, natuerlich in allen Farben und Mustern leuchtenden Gefaehrte. Sei es, weil auch Huehner im Gepaeckteil mitgeschleppt werden oder weil die Enge an von Tierschuetzern bekaempfte Huehnerfarmen erinnert. Steigt man in solch einen Bus zu, ist stundenlanges Stehen angesagt. Auf der Fahrt nach Quetzaltenango kann Sylvia endlich einen Sitzplatz ergattern. Da steigt eine Frau mit Kind am Ruecken zu. Was tun? Keiner der Einheimischen ruehrt auch nur ein Ohrwaschel, aber unsereins kriegt natuerlich ein schlechtes Gewissen. Kompromiss: Kind wird auf Schoss genommen, schlaeft dort zufrieden weiter, alle laecheln und sind zufrieden. Am Fusse des schon lange erkalteten Vulkanberges Tajumulco werden wir nach mehrmaligem Umsteigen ausgespuckt. Ein bequemer Weg fuehrt durch herrliche Foehrenwaelder, nur die Kuppe ist steinig vegetationslos. Ein grandioser Rundblick auf 4220m, wir stehen am hoechsten Punkt Guatemalas und ganz Mittelamerikas! Um uns die herrliche Bergwelt und tief unter uns dehnt sich das schaurige Kraterloch! Es herrscht absolute Stille heroben, kein Windhauch, kein Geraeusch stoert, auf einem Felsen sitzend versinken wir im Anblick des Wechselspiels von Schatten und Licht der untergehenden Sonne. Blaeulich fahl erscheinen bald die Umrisse der Gesteinsbrocken unter dem Glanz des Vollmonds. Schnell haben wir einen Steinwall errichtet, das Zelt aufgebaut und es sorgfaeltig verschlossen, sollen doch angeblich etliche Kojoten heroben herumziehen. Die Nacht wird bitterkalt, erst als die aufgehende Sonne warme Strahlen sendet, sind wir fuer den Abstieg bereit. Statt der weichen Nadeln bedecken nun duenne Eisschichten den Weg ins Tal. Zwei gemaechliche Tage verbringen wir anschliessend in Panajachel am riesigen Atitlan-See. Fast mediterran schmiegen sich kleine Doerfer an die begrenzenden Berghaenge. Wir stapfen die steilen verwinkelten Gaesschen hinauf, pausbaeckige Frauen und Maenner in traditioneller Kleidung huschen scheu an uns vorbei und verschwinden in winzig dunklen Eingaengen. Faszinierend, dass nicht nur hier, sondern so gut wie im ganzen Land Kleidung aus traditionellen Webstoffen mit groesster Selbstverstaaendlichkeit getragen wird, keiner schert sich um die einfaltslos eintoenige Mode der westlichen Welt. Schon um 7 Uhr frueh erklimmen wir die steil aufragenden Stufen der imposanten Maya Tempel in Tikal. Rund um uns ragen ueberall Spitzen weiterer Tempel im weitlaeufigen Nationalpark empor. Das Geschrei der sich ueber die Baumwipfel schwingenden Bruellaffen klingt wie ein schauriges Echo in den uralten Gemaeuern. Lautlos dagegen flitzen Opossums und bunt schillernde Voegel auf den laubbedeckten Wegen herum. Gegen ein geringes Bakschisch laesst uns einer der Restauratoren auch einen Blick in geheime unterirdische Gaenge werfen. Den ganzen Tag verbringen wir hier, sitzen vertraeumt vor so manchem kleineren, im Urwald verstecktem Tempel, klettern begeistert immer wieder Stufen auf und ab und fallen abends todmuede ins Bett.

Die beruehmten Ruinen von Copan in HONDURAS laden ebenfalls zum Staunen und Verweilen ein. In einer grosszuegigen Parklandschaft mit uralten Baumriesen geben zahlreiche Statuen mit fein herausgemeiselten Reliefs Zeugnis diverser Herrscher. Wir wandeln zwischen den einzelnen Tempelanlagen und vernehmen die Schreie der Zuschauer auf den Tribuenen. Welche der beiden Fussballmannschaften wird wohl als erste den Ball durch den Mauerring befoerdern? Es ist ein Spiel um Leben und Tod, denn die Verlierer werden diesen Kreislauf des Lebens bald erfahren und den Goettern geopfert. Sinnierend halten wir Rast unter einem der Baumgiganten. Was wuerde dies wohl fuer den oesterreichischen Fussball bedeuten? Opferung statt Millionengehaelter, das kaeme ja fast einer Ausrottung gleich! Ein fantastisches Jazzkonzert bis in die fruehen Morgenstunden beendet unseren Kurzaufenthalt in diesem Land.

Der Morgen daemmert erst heran, als wir von einem vielstimmigen Vogelchor geweckt werden. Hunderte Voegel umkreisen die kleine Insel Flores, als wir in den Bus steigen, der uns zur Grenze nach BELIZE bringt. Belize City wirkt nicht unbedingt vertrauenserweckend. Auf den Strassen tummeln sich hauptsaechlich verlotterte Gestalten, oder liegen verdreckt vor Geschaeftseingaengen, die Polizei patroulliert im Dauereinsatz und so mancher spaziert in Handschellen an uns vorueber. Mit einem kleinen Boot brettern wir schnellstens zur gemuetlichen Insel Ambergis. Nur wenige Autos stoeren das beschauliche Leben, dafuer ziehen Golfwaegelchen durch die sandigen Gassen, ein putziger Anblick!

Mit einem weiteren Boot gelangen wir zur Grenze nach MEXIKO. Noch etwas taumelig vom wilden Ritt blicken wir beim Aussteigen in etliche Gewehrlaeufe und streng blickende Gesichter. Saemtliches Gepaeck muss sofort am Kai fallengelassen werden und wird vom Drogenhund durchschnueffelt. Dann lichten sich die Gesichter der Schwerbewaffneten - Viva la Mexico! Bewusst vermeiden wir die hochgepriesenen amerikanisierten Hochburgen an der Kueste der Halbinsel Yucatan und lassen uns im kleinen Oertchen Tulum nieder. Gleich am naechsten Tag erwartet uns eines der neuen Sieben Weltwunder: Chichen Itza! Grossartig natuerlich die gewaltigen Maya Tempel mit ihren einzigartigen Reliefs und Saeulenhallen, aber auch gewaltig der Touristenstrom, kein Platz zum Traeumen, aber dennoch faszinierend. Good price, one dollar each, toent es dazwischen von den unzaehligen Verkaufsstaenden mit hervorragendem Kunsthandwerk, furchterregendes Geschnaube von aus Ton geformten Jaguarkoepfen laesst einen immer wieder erschreckt hochfahren. Natuerlich steht der beruehmte Maya Kalender im Mittelpunkt aller Waren, das Original jedoch befindet sich im Museum von Merida. Cenote Diving - wahrscheinlich nur fuer Eingeweihte ein Begriff! "Heilige Quellen" wurden die Zugaenge zu den durch schachtartige Einsturzdolinen der Kalksteindecke unterirdisch fliessenden Wasserstroemen von den Maya genannt, hier hielten sie ihre Zeremonien mit Menschenopfern ab. Ueber 3000 Cenotes bilden ein kilometerlanges verzweigtes Hoehlensystem im unterirdischen Yucatan. Fuer uns werden diese Hoehlen-Tauchgaenge durch das glasklare Wasser, umgeben von der fantastischen Welt der Stalagmiten und Stalaktiten zum unvergesslichen Erlebnis! Als wir prustend auftauchen, wimmelt es ueberall von Polizei. Ein Aufstand? Mitnichten, der mexikanische Praesident wird ebenfalls zum Tauchgang erwartet! Die letzten Tage geniessen wir den bilderbuchgleichen feinsandigen Strand bei Tulum, Meeresrauschen und Palmenmelodien.

Mit dem Abflug aus Cancun geht eine lange Reise zu Ende. Wieder haben wir unzaehlige Plaetze auf unserem Planeten kennen gelernt, sind wunderbaren Menschen begegnet, in alte Kulturen eingetaucht, haben zahlreiche Naturwunder genossen. Gar manches Mal waeren wir laenger geblieben, haben uns schon fast wie zu Hause gefuehlt. Aber trotzdem zieht es uns nun maechtig in die Heimat und zu unseren Lieben. Und falls uns in Florida in den Suempfen der Everglades nicht die Alligatoren erwischen, werden wir am Sonntag, 6.Februar in Wien Schwechat landen...