Indonesien und Südsee

AUSKLANG

Ein buntes Reisejahr neigt sich nun dem Ende zu! Gerne würden wir euch alles erzählen. So, wie es wirklich war.

Die schimmernden Schneekuppen Südamerikas. Der hinter den Vulkanen aufsteigende Vollmond, die erdrückende Schwüle des Dschungels.
Der unendliche Ozean. Riffe, auf denen die anbrandenden Wellen sich in Schaum auflösen, und die unbeschreiblich schönen Lagunen im Inneren der Atolle. Das Farbenspiel der Sonne mit der Zauberwelt der Korallen.
Kokospalmen, die mit federngeschmückten Köpfchen sich wie graziöse Tänzer anmutig den säuselnden Wellen zuneigen.

Gerne würden wir euch alles erzählen. Aber wann immer wir auch anfangen, tauchen Menschen auf und schieben sich in den Reigen schillernder Bilder.

Luis, zum Beispiel, der im Dschungel des Amazonas jede Pflanze mit lateinischem Namen benennen kann und der die uralten Geheimnisse seiner indianischen Vorfahren bewahrt und wissbegierig jede neue Sprache einsaugt.

Oder Walter, stiller, bescheidender Schirmherr über eine "Verlorene Stadt" und seine anvertrauten Schützlinge, die er mit viel Würde, Geduld und innerer Stärke auf geheiligten Pfaden emporleitet.

Dann wollen wir über den Zauber der Cocuy erzählen und sehen Alfredo vor uns, wie er mit verschmitztem Lächeln Kurven und Gehpfeile in den windgepressten Schnee zeichnet und beim Abstieg vom Gipfel des Ritacuba Blanco bis ins Tal mit sämtlichen Freundinnen telefoniert. Die vielen Polizisten, die mit Feuereifer ihre Wachstuben bemalen und die Schießscharten mit Holz verkleiden, um den Preis des schönsten Dorfes zu gewinnen.

Eine Verkäuferin in einer Bäckerei in Venezuela, die uns jeden Morgen sehnsüchtig erwartet, um mit uns deutsch zu sprechen um ihre Erinnerungen an Klosterneuburg wach werden zu lassen.

Wir wollen vom weißen Sandstrand in Tobago schwärmen und hören unseren jungen syrischen Freund von seinen Träumen und großen Plänen schwelgen.

Und da ist Subandi, in einem kleinen Dorf in Sumatra, der uns zum Aufstieg auf den Gunung Kerinci weiße Handschuhe zusteckt, damit wir uns die Hände nicht schmutzig machen und uns bei nächtelangen Gesprächen die müden Beine massiert.

Ein alter Mann am Strand von Ghizo, der uns stolz erzählt, wie es war, als sein Dorf vom Tsunami überrollt wurde und sich alle retten konnten und sie nur zwei Schweine verloren.

Wir wollen von der paradiesischen Lagune in Charapoana berichten, und da dringt die Frage von Wayne an unser Ohr, ob er wohl richtig gehandelt hat, als er sich weigerte seine Insel zu verkaufen und sie lieber den nachfolgenden Generationen erhält.

Oder unser liebenswürdiger, selbsternannter Vizepräsident Ali in Nauru, der uns so viele Geschichten glaubhaft zum Besten gibt, bis wir endlich überzeugt sind, dass keine davon wahr ist.

Begeistert wollen wir in schillernden Farben die im tropischen Grün eingebetteten Blätterhütten in Butaritari schildern und verfolgen mit bewundernden Blicken den Gouverneur der Insel, der in behutsamer und kluger Weise die Ursprünglichkeit der Insulaner mit dem westlichen Fortschritt zu vereinen versucht.

Wir wollen ein Bild vom Atoll in Majuro malen, und das Lachen der vier "Roundergirls" schwingt wie fröhliche Glöckchen in unseren Ohren: Today is today, we do not care about tomorrow! Aber was wird sein, wenn in einigen Jahren die ohnehin schon angeschlagene amerikanische Wirtschaft ihre Finanzspritzen einstellt?

Und da sind die spannenden Gespräche über Land und Leute mit Dieter aus Wien, der sich in Yap ein schmuckes Hotel samt Tauchschule erschaffen hat und sich keinen schöneren Platz auf der Welt mehr vorstellen kann.

Die vielen Menschen, die uns so reichlich beschenkt haben, indem sie in unserem Inneren etwas zum Klingen gebracht haben.

Wir wünschten, wir könnten euch all dies erzählen. So, wie es wirklich war.

 

 

 

 

MAJURO, POHNPEI, YAP, PALAU

Frühmorgens landen wir auf den MARSHALL INSELN in MAJURO, einer Perle unter den Atollen, schreibt Fanny Stevenson.

Die Lagune, groß und rund, ist am Eingang in lauter entzückende winzige Inselchen aufgebrochen, alle tiefgrün und weich, die Lagune klar und von der Farbe eines Chrysopras Edelsteins.

Man sagt, dass sie hier "Teufelswerk" betreiben, sie nennen es hu-hu. Wenn ihre alten Zauberinnen ein Schiff in den Untergang locken wollen, laufen sie am Strand auf und ab und schreien ihre Beschwörungen hinaus, wobei sie im Laufen einen langen Stock mit einem roten Lappen am Ende schwenken...

Einen grimmigen Blick haben auch heute noch so manche Frauen drauf. Die Kinder und Jugendlichen sind ausgesprochen hübsch und zugänglich, was man von den Erwachsenen nicht immer behaupten kann. Vielleicht hängt ihr manchmal muffiges Verhalten auch von den vielen anwesenden, in zahlreichen Projekten wirkenden Westlern ab, die sich darum bemühen, die Insulaner aus ihrem Dämmerzustand unter den Schatten spendenden Pandanusbäumen zu erheben und ihnen beizubringen versuchen, sich nach morgendlicher Körperpflege einigermaßen pünktlich zur Arbeit einzufinden.

Als wir das örtliche Museum besuchen wollen, muss erst der Schlüssel aufgetrieben werden, denn die Verantwortliche ist heute zur Arbeit einfach nicht erschienen, kein Mensch fragt nach dem Grund - ein durchaus üblicher Zustand auf vielen Südsee Inseln.

Die Häuser hier wirken aber gepflegter als anderswo und der Rasen zwischen Palmen und kleinen Wäldchen wird sogar gemäht. Vom Tagwerk erschöpft findet sich dann die Männerwelt in dunklen Spelunken bei reichlich Bier ein.

Der Bus, der uns auf die mit gigantisch hohen und breit verwurzelten Regenbäumen einladende Insel Laura befördert, holt uns immerhin mit nur einer Stunde Verspätung wieder ab und wir gelangen gerade rechtzeitig zur Preisverteilung für die längsten und schwersten Fische bei der jährlich stattfindenden fishing-competition.

 

Wenn bei Ebbe die Korallenspitzen und Landzungen aus dem Wasser ragen, könnte man ja glatt den Atollkreis zu Fuß umrunden. Aber wir bevorzugen doch ein Boot, um auf das abgeschiedene Inselchen Eneko zu  gelangen. Mit an Bord eine illustre Gesellschaft: vier einheimische, schwergewichtige Girls und drei schlanke Diabetes - Krankenschwestern aus Taiwan.

Wir staunen nicht schlecht, als eine Kühlbox nach der anderen in den Schiffsrumpf gehievt wird. Wie lange sie denn bleiben, fragen wir. Nur bis  morgen, erwidert man uns fröhlich. Wir haben für drei Tage grade mal ein Säckchen Proviant mit. An Land ist bald klar, was sich in den überdimensionalen Behältnissen verbirgt. Die drei taiwanesischen Frauen zaubern ihr eigenes Kochgeschirr samt Gaskocher hervor und beginnen auf der kleinen Veranda ihr buntes Sortiment an Gemüse für den Wok zu putzen. Die vergammelte Kochhütte, mit einem einzigen Topf ohne Henkel, dafür von Kakerlaken und Ameisen gut besucht, bleibt uns allerdings allein, denn unsere vier rundlichen Damen gebrauchen ebenfalls eine anderwertige Kochstelle. Der Inhalt einer mit Koteletts und Würsten prall gefüllten Kühlbox wandert auf den Grill, dazu gibts haufenweise Mayonnaise-Salat und einen Kübel Reis. Immer wieder werden wir zum Mitessen eingeladen, aber angesichts der triefenden Fettklopse winken wir höflich mit Ausreden ab. Unverständnis - man kann doch auch zweimal lunchen! Überhaupt wo sich die Nahrungsaufnahme auf vier Stunden ausdehnt!

Dann kommt der lustigste Teil: eine Kiste mit Dosen voll Softdrinks und Bier und einige Fläschchen Wein stehen bereit. Unsere Damen watscheln samt Gewand ins Wasser und verharren dort bis kurz vor Mitternacht! Das Gekuder und Gekicher wird nur von einem am Strand platzierten CD-Player mit, zugegeben, schwungvollen Hits übertönt. Nun sind die Chips dran, verkündet eine aus der Runde mit leuchtenden Augen und verschwindet nach kurzem Landgang gleich, etliche Päckchen mit ihren Patschhändchen umarmend, wieder im Wasser, und die nächste Lage Dosen fliegt auch mit viel Schwung ins Nasse. Das sind unsere Patienten, kommentieren lächelnd die drei Schwestern. Wobei man natürlich bedenken muss, dass Ramen Noodles und Spam-Dosen massenweise aus Taiwan angekarrt werden. Schließlich sind auch die Chips alle verschmaust, aber Gott sei dank sind vom Grill noch ein paar Happen übrig, und als Nachtisch gibts ungekochte Spaghetti, gleich aus der aufgerissenen Packung, mit reichlich Sirup beträufelt - uns dreht sich langsam der Magen um...

Wir finden unser Glück unter Wasser. Überflüssig zu erwähnen, dass wir beim Schnorcheln wieder mit zahlreichen neuen faszinierenden Korallenformen und schillernden Fischen belohnt werden.

Als sich die glitzernde Sternenpracht über unseren Köpfen ausbreitet, wird es allmählich stiller und unsere Nixen verschwinden, gleich mit nassem Gewand, in ihren Lagern.

Wir liegen noch lange wach und lauschen dem Schnarren, Pfeifen, Krächzen, Gurren und Trillern des geheimnisvollen, nächtlichen Dschungelkonzerts.

 

 Unser Inselhopping setzt sich nun in den FEDERATED STATES of MICRONESIA fort. Schon vom Flugzeug aus erblicken wir die imposante, zu den Klippen schroff abfallende Wand des Sokeh Felsens. Nur wenige Kilometer vom Airport entfernt breitet sich Kolonia aus, größte Ansiedlung von POHNPEI, die Hauptstadt Palikir liegt kurioserweise außerhalb und besteht nur aus Verwaltungsblöcken. Eindringlich wird da auf riesigen Tafeln vor diversen Lastern auf der Insel gewarnt: Marihuana, Kava, Betelnuss vermischt mit Tabak und Alkohol.

Die regenreichste Insel der Welt ist von dichtem Regenwald überwuchert, in dem sich einige Bergkuppen erheben, welche die höchste ist, weiß allerdings niemand so genau. Unzählige Wasserfälle stürzen sich in Kaskaden über Hänge oder überziehen wie feingewebte Schleier die Felswände. Hibiskus und andere farbenprächtige Sträucher quellen über vor Blüten. Zwischen dichten Bananenstauden und Farnen finden sich entlang schlammiger Erdstraßen noch traditionelle Blätterhütten, nicht so entlang der 80 Kilometer langen, rund um die Insel führenden Asphaltstraße.

Wir haben wieder ein Moped gemietet, und bald schon ziehen die unterschiedlichsten, aus Beton errichteten Behausungen an uns vorüber. Nicht alle bieten einen erfreulichen Anblick, viele sind als grauschwarz verschimmelter Rohbau belassen, das Dach aus Wellblech. Im einsichtigen Inneren hocken Familien auf nassen Steinböden, Wäsche hängt in den glaslosen Fensterlöchern, aber ein toller Schlitten steht vor jeder noch so tristen Keusche. Uns vergeht bald vollends das Lachen, als Meuten von Wildgewordenen zähnefletschend auf uns zurasen und uns verfolgen - Hunde nämlich! Dass sie ordentlich zubeißen, wird uns versichert, also nehmen wir den Kampf mit Stock und Steinen, Gebrüll und Hupkonzert auf und erreichen unbeschadet Nan Madol.

Nachdem wir drei Clans für das Durchschreiten ihres Gebiets bezahlt haben, stehen wir schließlich vor der vor mehr als tausend Jahren in den Mangrovensümpfen errichteten mysteriösen Stadt. Wie die tonnenschweren übereinander gestapelten schwarzen Basaltsteine einst hierher geschafft wurden, ist bis heute ein Rätsel. Nun weht nur mehr heißer Tropenwind durch das verfallene Mauerwerk.

Natürlich birgt die Insel auch wieder jede Menge War Relics, vor allem rostige Panzer und diverse Schießeisen, die vor allem Japaner magisch anzuziehen scheinen. Uns reichen allemal die in der Bucht abgestellten Schiffs- und Autowracks, manche hat die mitleidige Natur mit blühendem Farnwerk bereits fast restlos überzogen.

Normalerweise dringen wir nicht in fremde Badezimmer ein, aber 20 Meter unter der Wasseroberfläche sind wir willkommen. In gespannter Erwartung liegen wir auf dem Meeresgrund. Und dann gleiten majestätisch flossenschwingend, riesige Mantas heran, verharren, bis sie von kleinsten Fischchen gründlich geputzt sind und verschwinden aus der Putzstation wieder in die unendlichen Tiefen des Ozeans. Auch zwei stattlichen Riffhaien begegnen wir bei unseren Tauchgängen. Als wir ihnen zu nahe kommen, nehmen sie Reißaus - ein gutes Gefühl!

Es wird ein langer Geburtstag, den Sylvia am Sonntag, 10.Juli, feiert, genauer gesagt von Mitternacht weg bis 9 Uhr früh des nächsten Tages, wenn man die 9 Stunden Zeitunterschied einrechnet. Der Himmel ist zwar mit grauen Wolkenvorhängen bedeckt und platzt heute besonders oft, dafür haben wir Zeit für einige Cocktails im Marineclub, zu lecker gegrilltem Mahimahi, und dann suchen wir noch eine der vielen Sakau-Bars auf. In einer Blätterlaube wird auf einem Stein Saft aus zerkleinertem Wurzelwerk gepresst und zu Kava verarbeitet. Und da ist wieder dieses herrliche Gefühl - zusammen mit den Einheimischen schlürfen wir das für uns gewöhnungsbedürftige Gebräu und hören uns ihre Geschichten, Sorgen und Träume an, lauschen der Tochter eines der sieben, hier regierenden Könige.

 

 

INTERMEZZO - GRENZGÄNGEREIEN

 

"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen", und wenn einer so viele Grenzen überschreitet wie wir, über diverse Schmankerln.

Dass wir uns im Flieger die Finger wund schreiben, etliche Kulis aufbrauchen, um jedesmal geduldig zu versichern, dass wir weder Fruchtfliegen noch Futter, noch sonst was, ja rein gar nichts außer ein paar löchrigen T-Shirts und alten Schuhen, selbstverständlich geputzt, mithaben, ist ein Teil der hardcore Arbeit. Blöd ist natürlich, wenn der Beamte bei der Einreise nach Getränken fragt und einem während des verneinenden Kopfschüttelns die aufgeplatzte Bierdose im Rucksack überschäumt und der Geruch von Hopfen und Malz die Betelnussmantsche überzieht.

Die Einreiseformalitäten verlaufen bis Hawaii eigentlich sonst einigermaßen unkompliziert, wenn man davon absieht, dass man bei manchen putzigen Wellblech-Airports das Gepäck auch noch selbst aus der schon beim Landeanflug sich öffnenden Heckklappe rausholen muss und mit Stirnlampe, da auch kein Strom, den Weg nach draußen suchen muss.

Aufwändiger ist da nur Nauru, wo man bei der Einreise Gefahr läuft, gleich eingekerkert zu werden, aber mit viel Überredungskunst in Form von 100 Dollar doch frei kommt.

So weit, so gut. Ab Hawaii ändern sich die Gepflogenheiten, ab nun fliegen wir mit der amerikanischen Continental Airline, und da herrscht Zucht und Ordnung. Wir schauen ja auch so richtig verdächtig aus, mit unseren abgeschmierten Rucksäcken und geflickten Hosen. In Honolulu stellt man uns daher gleich mit überm Kopf gewinkelten Händen und gespreizten Beinen in eine "Durchleuchtungsglocke" und greift uns anschließend auch noch forsch zwischen die Beine. Noch netter ist es auf kleineren Flughäfen, auf denen es noch kein Durchleuchtungsgerät gibt. Die von uns so sorgfältig, jeden Winkel logistisch durchdacht gepackten Rucksäcke werden mit Feuereifer auseinander genommen und, weil wir die Sachen - um Gottes willen, da könnte was passieren! - dann nicht mehr selbst hineintun dürfen, wird gnadenlos gestopft und gequetscht, bis die ersten Zippverschlüsse platzen. Zu futtern gibts ja nicht viel, im Vergleich zu viel kleineren Inselmaschinen, dafür werden bei jeder Zwischenlandung die Sitze herausgerissen und der Boden wird nach sprengstoffhältigen Flusen mikroskopiert.

Schließlich schießt die Airline noch den Vogel ab - bei einer Zwischenlandung wird die Meldung gefunkt, dass die Crew auf Grund einer  vorausgegangenen zweistündigen Verspätung nun ihr Arbeitssoll erreicht hat und ein Weiterfliegen gegen die Vorschrift wäre. Wir lagern vier Stunden am Rasen von Chuuk, bis eine neue Crew eingeflogen ist. Lustig finden das nur die herumtollenden Kinder, aber wir erhalten großzügigerweise ein Sandwichhäppchen, Rosinen und Wasser.

Irgendwann mitten in der Nacht landen wir dann doch in

 

YAP

 

YAP ist HIP! Schon allein der nur mit einem knappen Tüchlein, kess um die Hüften geschwungen, bekleidete Jüngling, der uns zur Begrüßung eine Blumengirlande um den Hals legt! Vor dem Flughafengebäude lagern barbusige Frauen, mit Blumenkränzen geschmückt.

Betelnusskauen ist hier wieder groß angesagt, praktisch findet man keinen einzigen Einheimischen ohne "dicker Backe", spucken ist allerdings nur in eigens dafür bestimmte Behältnisse erlaubt, überhaupt ist alles sehr sauber, und auch Recycling, vor allem von Dosen, ist selbstverständlich!

Das Beste aber ist: Das Geld liegt hier auf der Straße! Einst wurden schwarze, bis zu zwei Meter hohe Steinscheiben, mit Löchern in der Mitte, aus Palau mit Booten nach Yap verfrachtet. Und sie sind als Zahlungsmittel, neben Muschelgeld, immer noch in Gebrauch! Wird Land oder eine Braut erworben, bleibt der Stein, wo er ist, auf alten Steinpfaden oder vor den gepflegten, mit Blumengärtchen versehenen Hütten und mit liebevollen Details verzierten Häuschen, aufgestellt, nur der Besitzer wechselt. Aber jeder im Dorf weiß um die Geschichte und die Besitzverhältnisse. Der Wert eines Steines hängt auch nicht von der Größe ab, sondern von den Geschichten, die sich um ihn ranken. Oft wechseln Steine auch ihren Besitzer, um Unrecht wieder gut zu machen.

Kurioserweise fährt man also mit dem mit Klimaanlage und allen modernen technischen Errungenschaften versehenen Auto auf neu errichteter Asphaltstraße durch eine der hiesigen "Steinbanken".

Bei unseren Spaziergängen durch die Dörfer halten wir stets einen kleinen Zweig in der Hand, als Zeichen des Respekts und der friedlichen Absicht. Schade, dass dies nicht auch in unseren Landen üblich ist!

Traditionen werden überhaupt noch hoch gehalten und die Regeln von den Village Chiefs bestimmt - und die stehen eindeutig über den gesetzlichen Bestimmungen des Governments. Leider verliert sich manche Sinnhaftigkeit unter dem Einfluss modernerer Lebensweisen. Dass Frauen für Männer und sich getrennt kochen müssen und die Herren der Gesellschaft sich in eigene Männerhäuser, in früheren Zeiten sogar mit einer für sie beschäftigten mistress, zuruckziehen können, mag ja noch angehen.

Unser divemaster jedoch hat es gewagt, ein Mädchen aus einer niedrigeren Kaste zu heiraten und hat damit seinen ganzen Besitz verloren, auch in seinem Dorf darf er sich nicht mehr blicken lassen.

Mit ihm verbringen wir aufregende Stunden unter Wasser! Nicht nur Mantas, Krokodilfische, Oktopusse, Pufferfische und riesige Red Snappers begleiten uns auf unseren Tauchgängen, bis zu zwei Meter lange Grauhaie und Schwarzspitzenhaie umkreisen uns diesmal hautnah, als wollten sie um Futter betteln...fast vergessen wir zu atmen!

 

 

Land am Ende des Regenbogens - so nennt sich PALAU, und es ist auch das Ende unserer Inseltour!

Tradition findet man in der modernen, touristischen Stadt Koror nur mehr im Museum und auch die Umrundung von Babeldaob auf einsamer Asphaltstraße durch grünhügelige Landschaft ist unspektakulär, einzige Attraktion ist ein mit Zipline und Schienenbahn erreichbarer Wasserfall.

Dafür bietet die Wasserlandschaft ein einzigartiges Ambiente! Mehr als 200 runde "knobs of limestone" erstrecken sich vor der südlichen Küste von Koror. Entstanden sind die Rock Islands durch Unterwasser - Erosionen, nun ragen sie wie Pilze aus dem von Algenvariationen in verschiedenen Blautönen gefärbten Wasser, sind mit grünem Dschungelwuchs bedeckt und von Höhlen und weißsandigen Durchlässen durchzogen, Brutstätte für seltene Vogelarten.

Mit einem Speedboat flitzen wir im Slalom durch die "Fantasy World". In einer stillen Bucht steigen wir in Kajaks um und gleiten durch aus dicht verwinkeltem Mangrovengebüsch geformte Grotten, in denen auch so manches Krokodil lauert. Die andächtige Stille wird nur durch das Plätschern der Paddelschläge und den lockenden Rufen der Vögel unterbrochen.

Den nächsten Schönheitswettbewerb gewinnen wir, for sure! Nach der romantischen Gondelei fetzen wir weiter zum "Milky Way", eine kleine, milchig blaue Bucht, in der sich mineralstoffreicher Grundschlamm angesammelt hat. Unter viel Gejohle verpassen wir uns gegenseitig eine hellgraue Ganzkörpermaske, bald sieht das Schiff wie eine wandelnde Gespensterburg aus, bevor jeder wild kreischend den Sprung ins Wasser tut.

Herrlich ist wieder das Schnorcheln im glasklaren Wasser, einige Fische sind so zutraulich, dass sie spielerisch auf der Hand gleiten und sacht zupfen - die Unterwasserwelt fasziniert uns immer wieder aufs Neue!

Üblicherweise meidet man die Begegnung mit Quallen. Doch in dieser Zauberwelt liegt, eingekesselt von den grünen Pilzen, das wundersame Reich der Jelly-Fische. Seit Tausenden von Jahren schweben die durchsichtig, zartorangen Fallschirmchen im ewigen Kreislauf von Licht und Dunkel friedlich durch die Fluten eines nun vom Meer abgetrennten Salzwassersees. Sanft kitzelnd streifen sie über unsere Haut und wir hören sie von den Mythen uralter Zeiten wispern.

 

Ewig könnten wir so mit ihnen tanzen, aber der Flug nach MANILA ist schon gebucht. Das Stadtgetriebe holt uns unsanft in die Realität zurück, einzig die Stille des Chinesischen Friedhofs versetzt uns wieder in eine skurille, fast unwirkliche Welt. Wie eine Kleingartensiedlung liegen die Häuser, in denen sich nicht nur die Steinsärge, sondern auch Sanitärräume, Schlafzimmer und andere Einrichtungsgegenstände befinden, auf einer Anhöhe. Zum Wochenende werden lustige Partys gefeiert und so manche Familienangehörige bleiben gleich hier wohnen.

 

Die letzten Tage verbringen wir auf der philippinischen Insel MINDORO im Aninuan Beach Resort und auch der vorbeistreifende Tropensturm Nock Ten kann uns nicht daran hindern vor uns hinzuträumen...

 


 

KIRIBATI, TUVALU, FIJI, HAWAII

Wie Fäden des Glücks ziehen sich die Gilberts dahin, umspült vom Ozean, Teil der Inselwelt von KIRIBATI.

Don't worry, be happy, scheint die uralte Lebensweisheit der in ihren traditionellen, nach allen Seiten hin offenen Blätterhütten hausenden Insulanern der regenreichsten Insel BUTARITARI zu sein. Großzügig werden sie mit allen Arten köstlicher Meeresfrüchte versorgt, Kokosnüsse und Brotfrüchte platschen direkt in ihre Siedlungen, Kürbisse und Taro gedeihen prächtig, Hühner und Schweine wuseln emsig herum, löschen ihren Durst aus mit Regenwasser gefüllten riesigen Muschelschalen.

Wenn man nicht gerade mit der Zubereitung oder der Einnahme der Mahlzeiten beschäftigt ist, döst man in den luftigen Kiaskias oder hält ein Pläuschchen in den Maneabas, den offenen Versammlungshallen, wo die ältesten Männer immer noch das Sagen haben.Kopfschüttelnd nimmt unsere Hausfrau zur Kenntnis, dass wir viel zu wenig essen und zu umtriebig sind. Mauri! Where are you going? tönt es bei unseren Inselstreifzügen zu Fuß und per Rad von allen Seiten, schließlich fügen wir uns endlich auch dem dolce far niente und leben mit den locals an der Basis.
Aber die fragwürdigen Güter der westlichen Welt haben ihre Fangarme schon mit sogenannten Versorgungsschiffen ins Schlaraffenland ausgestreckt. Reis kocht sich ja viel schneller als Brotfrüchte, eine Büchse corned beef ist auch im Nu offen. Wenn dann mal eine Ladung nicht rechtzeitig ankommt, wird gleich von drohender Hungersnot gesprochen. Auch der Wert des Geldes sickert nach und nach durch und treibt so manchen auf das Hauptatoll TARAWA, vor allem in den übervölkerten Süden. Freilich rocken da die öffentlichen Busse in wildem Discofieber dahin, allerdings hält hier auch der Abfall in Form von rostigen, blechernen und gläsernen Überbleibseln, mit denen die Einwohner so gar nicht umzugehen wissen, Kirtag, und wenn dann der brackig faulende Gestank über die schmale Landzunge durch die meist ärmlich elenden Hütten streift, fragt man sich unwillkürlich: Wer hat nun die Leute aus dem Paradies vertrieben?

In wildem Tanz dreht sich der Globus, ein kleiner Junge spielt mit der großen, weiten Welt. Flink saust der Zeigefinger, eben noch im Sandkasten, auf eine Stelle und hält jäh die rotierende Kugel an. Da möchte ich einmal hin!, ruft er entzückt, 50 Jahre später isr es dann so weit, wir betreten die sich wie ein Bandwurm schlängelnde Insel FUNAFUTI, Teil des Staates TUVALU, ehemals Elice Inseln.

Bereits in der griechischen Antike gab es die betörende Vorstellung von den "Glückseligen Inseln". Die Ungeheuerlichkeiten, die man jedoch in der Südsee an harmlosen Insulanern begangen hat und noch begeht, sind fast unglaublich!
Die ersten Besucher der Inseln, nach den Forschungsreisen im 18. und 19.Jh., waren Walfänger und Sandelholzhändler, allesamt Gesindel, die den gastfreundlichen Bewohnern mit äußerster Brutalität entgegentraten, gefolgt von den betrügerischen Kopra-Kaufleuten und schließlich den Sklavenrekrutierern, denen sich einzig die Missionare entgegensetzten.
Fanny Stevenson, Gattin des berühmten Schriftstellers, beschreibt dies anschaulich in ihrem Tagebuch während ihrer Schiffsreisen durch die Südsee:

1886 gingen zwei amerikanische Schiffe unter peruanischer Flagge vor der  Insel vor Anker und verteilten rechts und links Geschenke an alle, die  kamen, um sie in Empfang zu nehmen. Die Leute waren natürlich entzückt,  und als sie den Vorschlag hörten, dass alle, die es wünschten, nach  Peru kommen sollten, um von diesen netten Menschen unterrichtet zu  werden, drängten sie scharenweise in die Boote. Der König, darauf  bedacht, so viele wie möglich an dem unverhofften Glück teilhaben zu  lassen, blies in sein Horn, was ein königlicher Befehl war. Die  verbliebenen Untertanen waren jetzt auf die ganz Jungen und die ganz  Alten reduziert. Es braucht nicht eigens erwähnt zu werden, dass die  Schiffe Sklavenschiffe waren, und die gefangenen Inselbewohner wurden nie  wieder gesehen.

Während des Weltkriegs tobten Schlachten zwischen Japanern und Amerikanern, ganze Inseln wurden umgesiedelt, um auf ihrem Grund und Boden Landebahnen aus Tonnen lebender Korallen bauen zu können.

Nachdem auch die Atomversuche ihre Spuren hinterlassen haben, ist nun der allerschlimmste Angriff im Gange: Durch das Ansteigen des Meeresspiegels werden in baldiger Zukunft etliche Inseln am surrenden Globus ausradiert sein, und Funafuti ist eine davon...
Die nur wenige Meter breite Hauptinsel Fungafale wird schmäler und schmäler, jedes Jahr toben die Wirbelstürme heftiger. Dessen ungeachtet werden auch hier die Konsumgüter containerweise angeschleppt, ohne sich um die Entsorgung des Mülls und Schrotts zu kümmern, Grundwasser wird mit Chemikalien verseucht, was das Umweltdesaster nun entgültig zum Platzen bringt.Kilometerlang zieht sich die Müllhalde vom Nordzipfel weg und macht auch zwischen den Häusern nicht halt. Bei den Bewohnern scheint sich diesbezüglich die Unbekümmertheit mit "eh scho ois wuascht" zu mischen. Nur wenige kämpfen mit hübschen Häusern und netten Gärten gegen das sich mit Unrat füllende Atoll.
Da hilft auch der scheinbar brillante Einfall, den landeseigenen Internet-Domainnamen ".tv" für gutes Geld an Fernsehanstalten verkauft zu haben, nichts, außer man setzt sich damit nach Neuseeland oder Australien ab.
Die Ausharrenden frönen dem Gleichmut und sind ein fröhliches und geselliges Völkchen. Zwar besteht der Hausrat meistens nur aus wenigen Töpfen und Schüsseln, geschlafen wird auf Matten am Fußboden, aber größter Wert wird auf tiptop Kleidung gelegt, die Anzahl schicker Klamotten würde bei uns so manchen Kasten sprengen. Die Probleme werden in einem völlig anderen Rahmen gesehen, wie man einer Lokalzeitung entnehmen kann:

Civil servants...tend to make a habit of going to the Terminal to see
who is coming in by plane, thus leaving their offices empty and
customers waiting to be served...

Das Flugfeld ist im übrigen zentraler Punkt des Insellebens. Gleich neben der Ankunftshütte befindet sich das Parlament in Form einer luftigen Maneaba, auf der gesamten anderen Längsseite reihen sich die Schweineställe, und kaum sind die Flieger vom International Airport entfleucht, werden Fußballtore und Volleyballnetze aufgestellt und es tummeln sich Sportbegeisterte und Spaziergänger,  Picknicks werden veranstaltet, und in der Nacht verwandelt sich die Rollbahn gar zum großen Schlafplatz, da der Wind optimal durchstreift und auch die lästigen Moskitogeschwader vertreibt.

Auch bei unserer Ankunft gibt es das übliche Gewusel und einer der Angestellten aus dem nahen Government-Gebäude erklärt sich sofort bereit, uns zu unserem guesthouse zu bringen. Was ist denn aus eurem Fritzl geworden, fragt er uns unterwegs, als er hört, dass wir aus Österreich kommen. Nun ja, wir haben halt auch so unsere Probleme...
Wir werden in einem riesigen Appartement untergebracht, das sich sogar mit einigen Möbelstücken auszeichnet. Vom Wohnzimmer aus gelangt man durch den Garten gleich zur Lagune, hier allerdings zum Schwimmen nicht empfehlenswert, im hinteren Bereich könnte man vom Schlafzimmer in den heftig anbrandenen Ozean springen, man kann sich also gut vorstellen, dass einem das Wasser manchmal bis zum Hals steht...
Mit einem Moped sausen wir bald die Insel auf und ab, und da wir als Touristen den Status "Seltenheitswert" besitzen, sind wir in kurzer Zeit allerorts bekannt, kein Einkauf oder sonntäglicher Kirchgang bleibt unbemerkt.
Die in vielfältigen Blau- und Grüntönen schimmernde Lagune umkreisen wir mit einem kleinen Fischerboot auf der Innenseite des riesigen Atollgürtels. Putzig anzusehen sind die noch herausragenden winzigen Inselchen, auf denen manchmal nur eine einzige Palme allem zum Trotz, keck und selbstbewusst ihren Fächerkranz in den Äther reckt.
An einem herrlichen, mit fein zerriebenen weiß-rosanen Korallensternchen bedeckten Strand lassen wir uns eine Weile nieder und schnorcheln im glasklaren Wasser, auf einer anderen Insel besuchen wir die wie Robinson Crusoe in völliger Abgeschiedenheit lebenden zehn Familien. Gewaltige Mantas und "fliegende" Fische begleiten uns beim Wellenritt heimwärts.
Abends führen wir lange Gespräche mit unserer Hausfrau Emily, die mit viel Energie in diversen workshops einen Bewusstseinsprozess für Umwelt und Gesundheit - die Hälfte der Bevölkerung hat auch hier Probleme mit Übergewicht und Diabetes - wachzurütteln versucht.

BULA - wir sind in FIJI gelandet!

Auf den Fijiinseln gibt es nicht nur gelegentlich Kannibalismus, sondern immer, man isst Menschenfleisch nicht, weil man dadurch schreckliche Rachegefühle befriedigen will, sondern weil man es allen anderen Nahrungsmitteln vorzieht.
Wir ersparen euch die Einzelheiten eines Kannibalenfestes: die vorausgegangenen Morde, die Zubereitung der Menschen, die versammelte Menge: Männer, Frauen und Kinder, die in schrecklicher Ausgelassenheit auf das Fest warten. In den Kreis werden gebratene Menschen gebracht - nicht einer, nicht zwei, auch nicht zehn, sondern oft fünfzig bei einem einzigen Fest!

Man glaubt nicht, wie sich Fiji in den letzten Jahren verändert hat! An den mit 872 Menschenbraten verdächtigen Rekordhalter Ratu Udreudre erinnert, nachdem er selbst verspeist wurde, nur mehr eine stille Gedenkstätte und die als unverdaulich erwiesenen Schuhe eines Missionars sind im liebevoll gestalteten Museum zu finden.
Hochhäuser und Supermärkte schießen in der Hauptstadt Suva empor, dazwischen drängen sich winzige Geschäftchen, in der riesigen Markthalle wird, appetitlich angeordnet, eine bunte Vielfalt an Obst und Gemüse von schmalgliedrigen Indern und dunkelkrausigen, wuchtigen Melanesierinnnen angeboten.
Nur das berüchtigte Suva-Wetter ist gleich geblieben, alle Augenblicke ergießt sich ein kurzer Platzregen.
Der Wohlstand im Land ist nicht zu übersehen, entlang der Coral Coast reihen sich zwischen Resorts größere und kleinere schmucke Villen.
Noch kurz vor unserem Abflug aus Funafuti buchen wir ein Mietauto über Internet, und obwohl es erst aus Nadi überstellt werden muss, steht tatsächlich ein strahlender Fahrer schlüsselbereit vor dem Airport.
Mit dem geländegängigen Truck genießen wir nun die ländliche Idylle entlang der Kings Road: Vor der Kulisse runder Hügelkuppen spiegelt sich üppiges Gruen in den vorüberziehenden Flußläufen. Rinder- und Pferdefarmen wechseln mit trauten Dörfern, jedes Häuschen mit weinrot und gelbgrünen Zierbüschen umrandet, der Zufahrtsweg mit weißen Steinen gesäumt, aus weitlaufigen Schulgebäuden strömen lachende Schulkinder in Uniformen und winken uns fröhlich nach.
Wir zweigen in eine bumpy road ein und rumpeln, an Wasserfällen vorbei, bis zum Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Tomaniwi, mit 1323m höchster Berg Fijis, ein Spaziergang, denken wir. Doch nach der ersten Stunde sind wir dankbar, dass wir unsere im knöcheltiefen Schlamm schmatzend versinkenden Schuhe noch anhaben. Die Luft ist schwer von Feuchtigkeit, mit dem Geruch von würzig dampfender Erde und triefendem Moos in der Nase gehts nun über seifenschmierige Wurzeln und Felsen steil bergauf, kaum Halt in dem stacheligen Buschwerk. Nur am Gipfel eröffnet sich ein sonniges Grasplätzchen und gibt einen herrlichen Rundblick über angrenzende Berge frei. Der Abstieg gestaltet sich entsprechend grausam und Sylvia findet sich angesichts der von Farnen und Gräsern verdeckten Löcher plötzlich einige Meter tiefer am Abhang, im Gebüsch hängend.
In entzückender Lehmverschmierung checken wir abends in einem kleinen, feinen, im englischen Cottagestil errichteten Hotel unter mitleidigen Blicken ein.
Tagsdrauf queren wir Viti Levu durchs Landesinnere von Ba nach Nadi. Endlos dehnen sich die wogenden Zuckerrohrfelder, nur von kreuz und quer verlaufenden schmalen Schienen der Zuckerrohrbahn unterbrochen, zwischen den in Blau- und Brauntönen schimmernden Bergkämmen. Mitten drin ein Dorf, in dem die Menschen noch in traditionellen Buren hausen.
Wir sind übrigens nie allein unterwegs, denn auf der Ladefläche unseres Trucks tummeln sich jede Menge, wie selbstverständlich auf- und absteigende Mitfahrer. Aber als uns in dem unwegsamen Gelände letztlich ein Reifen platzt, strömt dafür sofort ein Großaufgebot hilfreicher Hände herbei.
Bei untergehender Sonne tauchen die Silhouetten einiger Reiter am violett leuchtenden Horizont auf, bevor der Sternenhimmel die längste Nacht in dieser Hemisphäre einläutet.
Mit einem Orchideenrausch im Garden of the Sleeping Giant verabshieden wir uns von dieser einzigartigen Insel, bevor wir das letzte Mal die unzähligen Bula-Grüße erwidern.

Nach dem nächsten Flug heißt es Aloha, bei einem Kurzbesuch auf Big Island in HAWAII.
Mit dampfenden Erdspalten, Schwefelgeruch, riesigen Kraterlöchern und durch erkalteten Lavastrom entstandenen Höhlengängen erwartet uns die Göttin Pele im Volcano Nationalpark. Wie kecke Farbtupfer muten die  hellgrünen Pflanzen und Farne auf dem schwarzen Lavageröll und zwischen dem Plattengestein.
Eigentlich müsste man das Autofahren bei uns zu Hause, und vor allem in den Alpen, gänzlich verbieten - wenn man die strengen amerikanischen Gepflogenheiten hierorts einführen würde! Die Saddle Road ist ein wellig kurviges Sträßchen, das sanft auf 2000m Höhe ansteigt. Es gibt eine einzige Autovermietfirma, die erlaubt, diese Strecke mit einem geländegängigen! Wagen zu befahren. Natürlich wird der Wagen vorher genauestens untersucht, jeder Staubabrieb peinlich genau verzeichnet, Darmspiegelung obligat, wehe, da kommt eine Schmutzspur dazu! Auf dutzenden Hinweisschildern wird entlang der Strecke bei jeder Bodenwelle oder beim Übergang von glattem Asphalt auf feinschottrige Piste vorgewarnt.

Wir erlauben uns den Spass, auf der noch etwas steileren Piste, die uns an den Anstieg zum Schottenhof im Wienerwald erinnert und die fast bis zum Gipfel des 4205m hohen Mauna Kea führt, fortzusetzen. Fast hätten wirs bereut, denn erstens blenden die sich überbietenden Warnschilder unsere Augen und zweitens fühlen wir uns beim Aussteigen auf über 4000m Höhe wie nach einer durchzechten Nacht. Beim Anblick der monsterartigen weiß silbrig glänzenden 12 Observatorien und Teleskope in einer zwischen schwarz, braun und weinroten Lavakegeln gleichenden Mondlandschaft, fragen wir uns unwillkürlich, wo wir hier eigentlich gelandet sind. Die verbleibenden Höhenmeter legen wir dann selbstverständlich unter viel Gekeuche zu Fuß zurück und feiern am Gipfel unseren großartigen Bergsieg. Aloha - es ist der höchste Berg der Welt, denn von seiner Basis aus gemessen, die tief unter der Meeresoberfläche liegt, ist der Berg 9760m hoch.  Und irgendwann wird sich da auch einer finden, der vom tiefsten bis zum höchsten Punkt auftaucht!

 

KURS AUF DIE SUEDSEE

Eine Nacht in BRISBANE verschlingt aus unserem Budget etwa genausoviel wie eine Woche Lebensunterhalt in Indonesien. Darueber kann auch nicht der in zehnminuetigem Takt quellende Platzregen troesten. Andererseits hier aber alles steril sauber, muss es ja wohl sein, denn wir treffen spaeter einen jungen Mann, der am Flughafen seine Schuhsohlen 30 Minuten mit chemischen Mitteln blank putzen musste, um einreisen zu duerfen. Auch glatte, geordnete Strassenverhaeltnisse herrschen vor, kein Zickzackkurs ueber lausige Loecher, oder weil Huehnermama bei Ausgang mit den Kleinen quert, oder Hundebaby mitten im warmen Staub doest...

Nichtsdestotrotz, die Bootsfahrt am Brisbane River in das Gemisch aus Wolkenkratzern, niedlichen Haeuschen und neoantiken Backsteinbauten ist idyllisch.

Es laesst sich nicht leugnen, dass die SALOMONINSELN eine unzugaengliche Inselgruppe sind. Andererseits gibt es noch schlimmere Stellen auf der Welt. Aber dem Neuling, der keinerlei angeborenes Verstaendnis fuer Menschen und das Leben im Urzustand hat, moegen die Salomoninseln in der Tat furchtbar erscheinen. Es ist ferner wahr, dass die Eingeborenen eine wilde Horde mit herzhaftem Appetit auf Menschenfleisch und einer Liebhaberei fuer das Sammeln von Menschenkoepfen sind. Koepfe gelten als Tauschmittel, und besonders wertvoll sind weisse Koepfe...

Erstaunlicherweise merken wir von all dem nichts, was Jack London vor etwa 100 Jahren geschrieben hat. Zwar koennte man sich ja fuerchten, wenn einem die dunkelkrausigen Melanesier mit ihren von Betelnuessen rot gefaerbten Zaehnen entgegen laecheln und mit dem roten Saft in rekordverdaechtigen Spuckboegen Ornamente auf die Strasse zaubern, aber dann winken sie uns freudig zu, wenn wir durch die mit Gemuese, Obst und bunten Fischen angefuellten engen Reihen der Markthalle balancieren oder entlang der einzigen Hauptstrasse der Hauptstadt Honiara auf Guadalcanal entlang schlendern. Angesichts der Hitze versteht man, weshalb die kleinen Gemischtwarenhandlungen fensterlos hoehlenartig in den Gebaeuden verborgen sind und, bedingt durch die vielen Stromausfaelle, undefinierbarer Geruch aus ihnen dringt.

Die Solomonen waren bis in die 90er-Jahre ein glueckliches Suedseevoelkchen gewesen. Die Natur versorgte sie mit allem, nur eines fehlte zur Vollkommenheit. Vor einigen Jahren stellte man entsetzt fest, dass es hier keine Ampel wie in anderen Laendern gibt, also wurde flugs eine installiert, wohlgemerkt nicht an einer Kreuzung oder Querung, sondern mitten auf der geradlinig verlaufenden Hauptstrasse. Und gleich wurde per Gesetz erlassen und in Radio und Zeitung angekuendigt, dass bei Rot alles zu stehen hat, was zur Folge hatte, dass nicht nur saemtliche Fahrzeuge zum Stillstand kamen, sondern sich auch Menschen auf Gehsteigen und am Markt nicht mehr zu bewegen wagten. Nach einiger Zeit wurde dieser "Unsinn" wieder abmontiert.

Sonderbar muten die eierspeisgelben Haarkrausen der Malaiten an, die noch vor geraumer Zeit in erbitterten Strassenschlachten um ihre Rechte kaempften.

Aehnlich unserer "Freunderlwirtschaft" funktioniert hier das Wantok-System. Wer die selbe Sprache eines Clans spricht, dem werden alle Annehmlichkeiten zuteil, was manche Hotels dazu veranlasst hat, die Besucherzahlen in den Zimmern auf bestimmte Zeiten zu limitieren.

Wir ueberfliegen die unzaehligen Inselchen und die von hellblau und gruenlichen Wasserstreifen durchzogenen, von Atollen umkraenzten, traumhaft anmutenden Lagunen. Auf der Insel Ghizo werden wir mit sonntaeglichem Gesang empfangen, fast aus jedem Haus ertoent ein mehrstimmiger Chor. Auf der gemuetlichen Dorfstrasse wandeln unter viel Gelaechter und Geplauder festlich angezogene Frauen mit bunten Seidenschirmchen.

Der zweite Wektkrieg hat fast in der gesamten Suedsee schaurige Spuren hinterlassen. Wir tauchen zur Toa Maru, einem der so zahlreichen auf Grund liegenden Wracks auf 34 Meter Tiefe hinab und staunen, wie die Natur in Form von wuchernd ueberziehenden Korallen nun Besitz von dem 140m langen Koloss ergriffen hat.

Nahezu 40 Grad bruetender Hitze nehmen wir in Kauf, um bei einer ausgedehnten Wanderung durchs Landesinnere die beschauliche Gangart der in mit Palmwedeln errichteten, auf Stelzen befindlichen Huetten mit ueppigen Blumengaertchen umgebenen, ohne Stromversorgung lebenden Insulaner kennenzulernen. So mancher Plausch am weisssandigen Strand, im Schatten des Palmenwaeldchens wird uns in unvergaenglicher Erinnerung bleiben.

Als wir mit unseren Rucksaecken Richtung Faehre, die uns zum Airstrip bringt, ziehen, winken uns die Marktfrauen froehlich nach. Taeglich haben wir hier eingekauft und leckere Rezepte ausgetauscht.

Wer kennt die Namen, nennt die Zahl... wie ein schillernder Inselteppich breitet sich die Marovo Lagune unter uns aus, als Weltkulturerbe vorgeschlagen, wenn die Abholzung aufhoeren wuerde. Einer, der sich vom "schnellen Geld" nicht verlocken liess, ist Wayne, der mit seiner Familie auf Charapoana Island lebt und eine entzueckende Eco-Lodge errichtet hat. Fuer einige Tage, eine Insel fast ganz fuer uns allein!

Umschmeichelt vom warmen glasklar blaugruenen Lagunenwasser geniessen wir schwerelos schwebend die Stille und Schoenheit um uns, an die Oberflaeche springende Fischschwaerme, zwischen pastellfarbenen und purpurnen Korallenpalaesten riesige, majestaetisch "fliegende" Mantas - Adler der Tiefe, lockendes Gurren und Zwitschern von der korallen- und muschelsandigen, mit Mangroven, Palmen und Schatten spendenden Baeumen bewachsenen Insel. In der aus Palmblaettern geschmackvoll eingerichteten Huette werden wir von Tanja mit auf Blaettern und suesslich duftenden, orangenen und lilanen Blueten angerichteten frisch gefangenen Fischen und Krabben, vielfaeltigsten Gemuesen und Obst, Cassawapudding und Kokoscremekrapfen verwoehnt.

Wayne fuehrt uns mit seinem Boot zu kleinen Siedlungen auf anderen Inseln und zeigt uns einige Tabu-Plaetze.

Tabu bedeutet den Inbegriff des zu Meidenden, verbunden mit religioeser und gesetzlicher Macht. Mit Tabu belegte Personen, Handlungen, Gegenstaende oder Worte sind abgesondert, geheiligt oder verboten, entweder fuer alle oder fuer bestimmte Personen.

Unter anderem duerfen wir einen Blick in eine mit Totenschaedeln, Knochen und Grabbeigaben, wie das traditionelle Muschelgeld, gefuellte Grabstaette werfen, in der sich auch sein Vater befindet.

Zu wahren Begeisterungsstuermen reisst uns die entzueckende, lautmalende Sprache der Insulaner hin: Tok Tok blong Salomon, einst entstanden als verzweifelter Akt der von vielen Inseln verschleppten und zu Zwangsarbeit versklavten Ureinwohner sich miteinander zu verstaendigen.

Geri ist ganz versessen, sich diese Form von Pidgin English anzueignen und schon bald laeuft die Konversation munter dahin. Kurios dabei sind so manche Wortkreationen wie:

blakfelaboksislongblakfelawaitfelatitsaposiukilimemikraiemaut

(ganz einfach: Klavier, woertlich: schwarze Kiste mit schwarzen und weissen Zaehnen, wenn du sie schlaegst, schreit sie) an einem Schaufenster:

lukaut

sapos iu stilim long stoa mifela kolim polis nomata hamas yia iu kat (Aufgepasst, wenn du stiehlst, rufen wir die Polizei, egal wieviele Jahre du bekommst) an der Tuer eines vornehmen Anwesens:

lukaut

dok save kaiki olman (Aufgepasst, Hund frisst alle Menschen) Und Prince Charles ist natuerlich der: nambawan pikinini blong misis kwin!

(pikinini heisst Kind)

Wie eine Kartoffel schwimmt die im Umfang 18km messende Insel NAURU im Pazifischen Ozean. Was wir im Vorfeld ueber sie erfahren, laesst unsere Neugierde erwachen: Ueber Jahrtausende hat sich Vogelschiss mit unterirdischem Gestein verbunden und gewaltige Phosphatmengen erzeugt. Nachdem dieser Bodenschatz jahrelang von anderen Staaten geschuerft wurde, ging mit der Unabhaengigkeit 1968 der Besitz endlich an Nauru ueber und machte die Insel fuer einige Zeit zu einem der reichsten Laender. Allerdings sind die Ressourcen begrenzt, und missglueckte Investitionen rueckten den Wohlstand bald in die Naehe des Abgrunds.

Bei der Ankunft um 5 Uhr frueh finden wir einen knurrigen Beamten vor, der uns zunaechst gar nicht einreisen lassen moechte. Erst nach viel charmanter Ueberredungskunst und der Erwaehnung des Namens des Immigrationschefs entlaesst er uns brummend, behaelt aber die Paesse. Geschafft! Schnell verlassen wir das Gebaeude, aber da wendet sich das Blatt! Ein Taxi gibt es hier nicht, also schultern wir unsere Rucksaecke und wollen uns auf den Weg zu einem der beiden Hotels aufmachen. Hello, woher kommt ihr denn?, spricht uns ein Einheimischer freundlich laechelnd auf Englisch an. Schnell entwickelt sich ein Gespraech und spontan bietet uns Ali an, uns zum Quartier zu bringen. Ich habe im Moment ohnehin nichts zu tun, ich bin hier der Vizepraesident! - uns bleibt der Mund offen!

Nach ein paar Stunden Schlaf treibt es uns gleich hinaus auf Entdeckungsreise. Die Insel stellt ein Korallenatoll auf der Spitze eines unterirdisch erloschenen Vulkans dar. Die Hochterrasse im Landesinneren ist von Hartholzbaeumen und Hibiskusstraeuchern durchzogen, zum Meer abfallend breitet sich niedrig dichte Vegetation aus, dazwischen reiht sich eine Vielfalt an Skurillitaeten: Einer eigentuemlichen Mondlandschaft mit weissrostigen, poroesen Kalksteinbrocken, zwischen ihnen ein Labyrinth von Kesseln und tiefen Mulden, gleichen die frischen Abbauplaetze. Im weiteren Umkreis weitet sich eine liebliche Lagune, still und vertraeumt, thronen dicht nebeneinander geisterhaft graue, von Gestruepp und Lianen ueberwucherte, bis zu 15 Meter hohe Kalksteinzacken und Pyramiden, die sich bis zur Kueste fortsetzen und fantastisch anmutend aus dem Meer ragen. An der Kueste finden sich ausserdem kolossale Banyan-Baeume, deren haushohe Luftwurzeln wie ein Geruest den Stamm umhaengen.

Unterwegs treffen wir eine Gruppe von Jugendlichen an, die uns begeistert zu den grauenhaften Relikten aus dem Pazifikkrieg fuehren. Jeden noch so versteckten und verrosteten Panzer und die in die Pinnacles und Erdhuegel verborgenen Bunker und Gefaengnisse der japanischen Armee haben sie bei ihren Streifzuegen aufgespuert. Wir kaempfen uns durch die bizzare Wildnis, reissen uns an dem scharfkantigen Gestein die Hosen auf und hecheln in der staubigen Hitze nach Erfrischung.

Des Weiteren holt uns Ali zu ausgedehnten Rundfahrten ab und praesentiert uns stolz die Phosphatwerke. Hier rinnt unser Geld dahin, meint einer der Arbeiter, waehrend das schottrige Erdmaterial ueber Foerderbaender zu den Kochkesseln und weiter zu den Schiffen fuer den Abtransport gelangt, und es wird uns versichert, dass noch genug fuer viele Jahre vorhanden ist. Allerdings bemerken wir auch das durchloecherte Blechdach und die als Fusswege angelegten, halb durchgebrochenen Bretter in der Halle.

Bei Spaziergaengen wird uns dann aber allmaehlich das ganze Ausmass der katastrophalen Zustaende deutlich: Es gibt nur wenige Haeuser, die nicht dem totalen Verfall preisgegeben sind, in den Vorgaerten statt Blumen dahinrostende Vehikel, die Stromversorgung ist nur gewaehrleistet, wer sich einen Generator leisten kann. Die Ernaehrung beschraenkt sich auf den, gottlob noch reichlich vorhandenen, Thunfischbestand und das Dosenkontingent der zahlreichen winzigen Geschaeftchen, ausschliesslich von Chinesen betrieben. Kein Wunder also, dass diese kleine Insel, prozentuell gesehen, weltweit an erster Stelle mit Diabetes-Patienten steht und man hier auch die korpulentesten Menschen findet. Natuerlich besichtigen wir auch die Diabetes-Klinik und sind entsetzt ueber die Baracken-aehnlichen Zustaende.

Neben dem Fangen und Zuechten von Fregattvoegeln ist Noddy Hunting eine alte Tradition. Dabei wurden die Laute der Seevoegel nachgeahmt und diese dadurch angelockt und in Netzen gefangen. Caruso, der Sohn Alis, moechte uns dies abends vorfuehren, allerdings werden fuer die Jagd heutzutage Kassetten-Rekorder verwendet. Anfaenglich noch neugierig, vergeht uns aber schnell die Lust nach dieser Art von Sport, spaetestens dann, als auch wir zumindest zum Versuch ueberredet werden.

Als wir die Insel verlassen, ueberlegen wir, was man wohl aus dieser von Naturbesonderheiten reichlich beschenkten Welt alles hervorzaubern koennte, doch dazu waere die Anstrengung jedes Einzelnen noetig.

 

 

BALI, TIMOR LOROSAE, LOMBOK

Wenn BALI fruehmorgens erwacht, ueberzieht ein suesslicher Geruch von Raeucherstaebchen die zauberhafte kleine Insel. Unzaehlige, in Bananenblaetter oder Schaechtelchen bereitete Opfergaben, in Form von Blueten und Backwaren,   werden in alle erdenkliche Winkel und Nischen der, hinter mit Plattgold und Ornamenten prunkvoll verzierten Portale, verborgenen, kunstvoll gestalteten Haustempel niedergelegt. Oft kann man die Pracht nur an Hand von hervorlugenden Tuermchen, bestueckt mit bunten Stoffschirmchen und herabhaengenden Quasten und im Wind flatternden Schleifen, und verwitterten Steinfiguren auf dem Mauerwerk erahnen. Mit liebevoller Sorgfalt und Andaechtigkeit werden diese Rituale taeglich vollzogen, selbst Motorhauben und Gehsteige sind gesaeumt.

Still und andaechtig wandeln auch wir in Ubud durch die oeffentlich zugaenglichen Tempelanlagen und geniessen im Cafe Lotus am Rande des maerchenhaft schimmernden Seerosenteiches den weltbekannten und nur hier produzierten Luwak-Kaffee. Die Bohnen werden von einem marderartigen Tier gefressen, widerfahren im Verdauungstrakt einen chemischen Prozess und werden nach der Ausscheidung getrocknet und geroestet.Einen grossartigen Anblick bietet der Vulkan Batur und die an seinen Fuss geschmiegten, hellgruen erglaenzenden, von Palmen und Bananenstauden durchsetzten Reisterrassen. Kilometerlang verlaufen die hauptsaechlich fuer die Ausstattung der Tempel gedachten, an Vielfalt kaum zu ueberbietenden Kunsthandwerkslaeden. Steinmetzarbeiten wechseln mit Schnitzereien, Batikstoffen mit unterschiedlichsten Mustern, mit glitzernden Mosaike gestaltete Spiegel und Schuessel.
Auch die Darstellende Kunst beeindruckt uns beim Barong-Tanz, eine ruehrende Geschichte aus den goettlichen Legenden, gespickt mit derb witzigen Einlagen, aufgefuehrt  mit klanglicher Untermalung und in prachtvollen Masken und Kostuemen. Der Kerchak- oder Affentanz bietet Einblick in alte kultische Trance-Taenze, zum Abschluss wirbelt einer der Akteure mit einem Strohpferd minutenlang im offenen Feuer auf gluehenden Kohlen.

Mit dem Duft der Franjipaniblueten in der Nase und dem Klang der aus Bambus gefertigten Windspiele im Ohr verlassen wir diese liebliche Insel und begeben uns auf Abenteuer in das erst seit wenigen Jahren unabhaengige TIMOR LOROSAE Als wir unter sengender Sonne durch die malariaverseuchten,staubig elenden Strassen der Hauptstadt Dili, in denen Hunde und Schweine in sich ausbreitenden Abfallhaufen wuehlen, ziehen, wuerden wir am liebsten gleich wieder umdrehen, zumal zumutbare Quartiere um die 100 Dollar kosten. Schliesslich finden wir eine Hotelanlage, in der findigerweise Schiffscontainer zu winzigen, aber sauberen Kabinen umgestaltet sind, zum halben Preis, auch noch teuer genug.
Der Rundgang durch die Stadt, entlang kuemmerlicher Marktbuden und einigen, mit Stacheldraht eingefriedeten besseren Haeusern, erinnert, nicht nur durch die hier dunkelhaeutige Bevoelkerung, in vieler Hinsicht an Afrika. Bevor wir ins Bergland aufbrechen, steigen wir noch die vielen Stufen des Kreuzgangs zur ueberdimensionalen Christusstatue empor, dessen offene Arme weit zum Meer ausgebreitet sind.
Als Touris gelangen wir in den Genuss auf Schaumgummibroesel im Fahrerhaus des Trucks Platz nehmen zu duerfen, hinten fuellt sich die Ladeflaeche mit Stehenden und Kauernden. Knappe vier Stunden windet sich das Gefaehrt  entlang von Wellblech- und strohgedeckten Rundhuetten und aus Astwerk gezimmerten Kioske auf 1400m Hoehe hinauf. Auf dem winzigen Marktplatz von Maubisse werden wir ausgespuckt. Betelnuss kauende alte Frauen sitzen vor Knoblauchstraeussen und Eimern mit Yams, auch einige Bananen und Kraeuter werden angeboten.
Wir suchen die einzig moegliche Unterkunft, auf einem Huegel herrlich gelegen, auf, ueberraschenderweise hat hier am Vortag der Praesident hoechst persoenlich logiert. Auch einige UNO-Leute sind einquartiert und wir fuehren interessante Gespraeche ueber die Probleme des Landes mit ihnen.
Der Aufstieg auf den eine fantastische Bergwelt ueberragenden 2963m hohen Pico do Ramelau gestaltet sich zunaechst fast als aussichtslos. Stundenlang benuehen wir uns um eines der wenigen brauchbaren Fahrzeuge, bis sich endlich zwei junge Burschen finden, die uns zum stolzen Preis von 150 Dollar zum Ausgangspunkt bringen. Zwei Stunden dauert die Fahrt zum 1800m gelegenen Hochtal. Aus den am Strassenrand liegenden Siedlungen stuerzen  mit viel Geschrei immer wieder Kinderscharen froehlich winkend hervor, rotznasig, mit verstrubbelten Haaren, die kleineren meist nackt.
Der breite, roterdige, steile Fussweg, inmitten einer in vielfaeltigen Rottoenen leuchtenden, harzig riechenden Busch- und Waldlandschaft, muendet sehr bald in einen langen Treppenaufgang, der zu einer Waldkapelle fuehrt und von modernsten Beleuchtungskoerpern flankiert wird. Angesichts der bitteren Armut wirken diese Blechstangen wie groteske Wedel und es stellt sich uns die Frage nach sinnvoller Unterstuetzung der im Land so zahlreich wichtigtuerisch herumschwirrenden "Berater", die das Land angeblich aus seinem Urzustand heben wollen.
Am Gipfel thront, in einem Meer von Margeriten, die Statue der Madonna, einst hoechster Punkt Portugals.
Bei der Fahrt ins Tal haelt unser Truck in gleicher Hoehe mit einem entgegen kommenden Fahrzeug an, ein ueblicher kleiner Plausch, aber diesmal sind wir der Grund - freudig begruesst uns unser Fahrer von der Bergfahrt, und alle warten geduldig, bis wir entsprechende Neuigkeiten ausgetauscht haben.
Irgendwie fasziniert uns dieses Land in seiner Wildheit und Urspruenglichkeit!

Noch einmal kehren wir nach Indonesien zurueck.

Die Insel LOMBOK ist weit weniger touristisch besucht als Bali, an Reiz jedoch nicht minder. Idyllische Siedlungen und Palmenwaeldchen saeumen den kilometerlangen Sandstrand. Einen zentralen Punkt jeder Dorfgemeinschaft bildet ein aus Bambus oder Brettern gefertigter, erhoehter und strohueberdachter Lagerplatz, auf dem sich genussvoll etliche Dorfmitglieder in froehlicher Runde raekeln, oder die Grossmutter ein Nickerchen haelt. Diese Bilder werden wir hoffentlich in unseren Herzen bewahren, wenn wir wieder ins rastlose Europa zurueckkehren...Natuerlich gesellen wir uns auch zum woechentlich stattfindenden, eindrucksvollen "Stock fighting". Die sehnigen Muskeln und drahtig akrobatischen Bewegungen der mit feurig schwarzgluehenden Augen funkelnden Jungmaenner, und auch so manch gewiefter aelterer Kaliber, werden nicht nur von anfeuernden Maennerrufen begleitet, sondern lassen sicherlich auch so manches Frauenherz hoeher schlagen!Nun zieht es uns wieder in die Bergwelt. Auf sanft ansteigendem Pfad durch gelbbuescheliges Savannenland, uebergehend in steile Waldterrassen, gelangen wir zum 2730m hohen Kraterrand. Unsere, vom Nationalpark vorgeschriebenen Porter schleppen mittels einer auf der Schulter liegenden Querstange Koerbe und Kisten ins Basislager, bauen unser Zelt auf und kochen fuer uns am offenen Feuer.

Mit der Stirnlampe treten wir um 4 Uhr frueh die Gipfeletappe an, am steil abfallenden Kraterrand entlang und schlieslich wieder der kraefteraubende Kampf auf den rieselnden Schuttkegel hinauf. Die 3726m Hoehe des Gunung Rinjani wird nur durch ein mickriges Steinmaennchen markiert, aber der Blick hinunter auf den dunkelblauen Kratersee und die vorgelagerten kleinen, in der aufgehenden Sonne in warmes Rot getauchten, neugewachsenen Krater ist atemberaubend!Zurueck im Basislager haetten wir uns ein gutes Fruehstueck und etwas Erholung verdient - aber denkste! Eine Horde von Affen belagert uns und klaut immer frecher, was nur erwischt wird. Selbst geschwungene Stoecke werden unverschaemt mit Pfauchen erwidert, es ist ihr Reich, denn leider gleichen diverse Berglager oft einer unappetitlichen Muellkippe. Also treten wir die Flucht an, ein mit mueden Beinen endlos scheinender Rueckweg.
Gleich am naechsten Tag quetschen wir uns in eins der mit Guetern aller Art ueberladenen Einheimischen-Faehrboote und brausen auf die kleinste der drei Gili-Inseln - GILI AIR und quartieren uns dort in einem Bungalow ein: Meeresrauschen, Palmwedelknistern, tuerkisblaues Wasser, korallen- und muschelueberzogener Strand... Ein sandiger Weg fuehrt einstuendig um die Insel, die nur von bimmelnden Pferdekutschen befahren wird.
Endlich kommen wir auch wieder zum Tauchen! Die Unterwasserwelt bietet neben einem von seltsam geformten Korallen ueberzogenen und von grellfaerbigen Fischen bevoelkerten Wrack auch aus dunklen Ritzen aeugende Moraenen und gefaehrliche Steinfische. Als sich gar ein zwei Meter langer grauschwarzer "Ringelsocken" unter uns dahinschlaengelt, weichen wir unwillkuerlich etwas nach oben ab.
Freitag, der 13. in Ehren, aber einen Sundowner zu plaetschernden Wellen, kann wohl niemand verwehren, oder doch? Ein besonders vorwitziger Gecko belagert uns schon seit Tagen, macht sich ueber unsere im Plastiksackerl eingewickelten Suessigkeiten her und laesst sich auch nur ungern aus einem Glas mit den letzten Tropfen Gin entfernen. Als wir nach berauschendem Sonnenuntergang auf unsere Veranda zurueckkehren, ergreifen wir in der Dunkelheit arglos unsere Glaeser. Da springt das offenbar bedusselte Vieh aergerlich heraus, vor Schreck laesst Sylvia das Glas fallen, aber Scherben bringen ja bekanntlich Glueck, und noch dazu am Freitag, den 13.!

 
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